Emilia Galotti

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Gotthold Ephraim Lessing Werk Emilia Galotti:

Zusammenfassung/Inhaltsangabe von Emilia Galotti

Autobiographie von Gotthold Ephraim Lessing

Interpretation zu „Emilia Galotti“

Analyse der Szene II,10 aus „Emilia Galotti“ von G.E. Lessing

Emilia Galotti – Wesentliches

Charakterisierung Gräfin Orsina

Charakterisierung Graf Appiani

Charakterisierung Odoardo Galotti

Charakterisierung Claudia Galotti

Charakterisierung Emilia Galotti

Charakterisierung Marchese Marinelli

Charakterisierung Der Prinz Hettore von Guastalla

Hier eine Kostprobe:

Emilia Galotti – erster Akt, Szene 6

Szeneninterpretation

Das Drama „Emilia Galotti“ von Gotthold Ephraim Lessing handelt von einem Prinzen, der gemeinsam mit seinem Berater eine Intrige einleitet, um die Heirat seiner geliebten Emilia Galotti, eine Bürgerliche, zu verhindern. Kurz vor der Hochzeit wird Emilias werdender Ehemann, Graf Appiani, ermordet, die Intrige wird aufgedeckt und Emilie verlangt aus Ehrgefühl von ihrem Vater ermordet zu werden.
Der sechste Auftritt im ersten Akt kann als wichtigste Exposition des Stückes gekennzeichnet werden. Die Charakteren des Prinzen und seines Beraters Marinelli und ihr Verhältnis zueinander werden dargestellt. Während der Prinz von Marinelli die Nachricht über die anstehende Heirat seiner Geliebten erhält und Marinelli beginnt, die Intrige zu spinnen, erwährt der Betrachter viel über die Sorgen und Sehnsüchte des Prinzen und die Absichten Marinellis. Die Szene spielt sich auf der städtischen Residenz des Prinzen in seinem Arbeitszimmer ab.

Bereits während seiner ersten Wortmeldung klärt Marinelli das Verhältnis zwischen ihm und dem Prinzen. Marinelli benutzt die Höfflichkeitsanrede „Gnädiger Herr“ (Z. 1) und bestätigt damit, dass der Prinz ihm, aufgrund seiner gesellschaftlichen Position, überlegen ist. Dies wird auf der anderen Seite auch durch den Prinzen vermittelt, welcher dreimal Marinellis Rede unterbricht (Vgl. S.11, Z.14 und 32, S12, Z. 41), ein Zeichen der Respektlosigkeit und Unhöfflichkeit. Er nimmt auch das Recht in Anspruch, Marinelli zu korrigiere, als dieser abfällig von dem Mädchen spricht, welches Graf Appiani zur Frau gewählt hat: PRINZ: „Wer sich den Eindrücken, die Unschuld und Schönheit auf ihn machen, ohne so weitere Rücksicht, so ganz überlassen darf, – ich dachte der wäre eher zu beneiden als zu belachen.“ (S. 12, Z.26 ff.)
Die Gunst des Prinzen scheint für Marinelli sehr wichtig, dies lässt sich mit folgender Aussage belegen, in der Marinelli den Prinz bittet, ihn nicht zu den Menschen zu zählen, denen er negativ gegenüber steht: „Oh! Vermengen Sie mich ja nicht, mein Prinz, mit der Närrin, deren Wort ich führe, -aus Mitleid führe.“
Der Prinz bringt Marinelli gegenüber nicht solche Gefühle auf. Im Gegensatz zieht er höhnisch über Marinellis Ideale her: „Mit Euren Häusern! – in welchen der Zeremoniell, der Zwang, die Langeweile und nicht selten die Dürftigkeit herrschen.“ ( S. 12/13, Z. 40 ff).
Bis zu diesem Zeitpunkt dreht sich der Gegenstand des Gespräches um Neuigkeiten über die Ereignisse in der Stadt und um die beendete Affäre des Prinzen mit der Gräfin Orsina, dessen Brief, der an diesem Morgen angekommen ist, durch die Regieanweisungen [„auf ihren Brief zeigend“ (S.11,Z. 9/10)] noch einmal erwähnt wird, da er der Ausschlag für das entscheidende Erscheinen der Gräfin in einem späteren Teil des Dramas ist.
Die entscheidende Frage dieses Auszuges ist die Frage nach dem Namen der neuen Frau des Grafen Appiani. Marinelli besitzt diese Information, die der Prinz unbedingt haben möchte. Damit kippt die Führung des Dialoges. Der Prinz gibt sich nicht mehr von oben herab sondern erhält die Position eines unwissenden, abhängigen Bittstellers nach Information. Marinelli weicht aus und verzögert eine genaue Antwort, vielleicht, weil er den verbalen Machtwechsel genießt. Seine dominante Haltung wird verdeutlicht, indem nun er den Prinzen unterbricht.
Die Spannung der Szene steigt, während der Prinz seine Frage immer wiederholt, um eine möglichst konkrete Antwort zu erhalten. Seine Nervosität spiegelt sich auch in den Regieanweisungen auf Seite 13 wider, welche ihn „sich voll Verzweiflung in einen Stuhl“ werfen und dann „wieder aufspring[en]“ lassen.
Denn spätestens in diesem Moment wird dem Betrachter der Hauptkonflikt des Dramas offenbart: Der Prinz ist in die Braut des Grafen Appiani verliebt – Emilia Galotti.
Seine Frustration über diese Information lässt er zunächst an dem Überbringer der tragischen Nachricht aus: „Henker!“ (S.13, Z.30), „Verräter!“ (S.13,Z. 40).
Dann wechselt die Hierarchie der Gesprächsführung in eine Art Gleichgerechtigkeit. Die räumliche Distanz beider Personen wird überwunden als der Prinz Marinelli verzweifelt in die Arme fällt (Vgl. Regieanweisung S.14, Z. 14).
Die lapidare Aufforderung des Prinzen, deren Ungenauigkeit Marinelli sich zu Nutzen macht, initiiert  die eigentliche Geburt der Intrige [  „Retten Sie mich, wenn Sie können, und fragen Sie dann“ (Z. 32)].
Marinelli deutet die Intrige und damit auch den weiteren Verlauf des Dramas an, legt sich allerdings nicht auf eine konkrete Antwort fest: „Waren, die man aus der ersten Hand nicht haben kann, kauft man aus der zweiten: – und solche waren nicht selten aus der zweiten umso viel wohlfeiler.“ (Z. 36 ff).
Der Prinz begibt sich auf dieselbe unterwürfige Ebene wie Marinelli zu Beginn der Szene [ „Liebster, bester Marinelli, denken Sie für mich.“ (S. 15, Z.12)].
Sein Berater intrigiert so, dass er die Legitimation zu allen Maßnahmen erlangt während er den Prinzen die Verantwortung für sein Tun übernehmen lässt:
„Wollen Sie mir freie Hand lassen? Wollen Sie alles genehmigen, was ich tue?“
Die Szene endet mit der Bewilligung dieser Frage und damit einer Maßnahme zur Konfliktlösung. Die Intrige wird geboren, in dieser Szene jedoch nur angedeutet.

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