Redeanalyse

Redeanalyse

Die Redeanalyse wird angewandt, um in der Geschichtsforschung und der Rhetorik Kunstgriffe historischer Persönlichkeiten zu verstehen. Daneben dient sie dem tieferen Verständnis der Muttersprache und fördert die Kritikfähigkeit. Jeder einzelne Satz wird „übersetzt“, um die Intentionen des Redners zu verstehen. Als Vorbildreden werden gern Vorlagen aus der Weltliteratur und große politische Reden genutzt.
Es finden sich darunter Paradebeispiele für Demagogie wie die Goebbels-Rede im Berliner Sportpalast vom 18.02.1943 („Wollt Ihr den Totalen Krieg?!“) oder für politische Hochkultur wie die Rede von der doppelten Befreiung, die Richard von Weizsäcker am 08.05.1985 in Bonn hielt.

Eine Redeanalyse in sechs Schritten

Redeanalyse Aufbau

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Redeanalyse zu strukturieren, sechs Schritte erscheinen angemessen und können auf alle Reden angewandt werden.

1. Kennzeichnung der Redesituation
In dieser Einleitung werden die W-Fragen geklärt, welche die Redesituation kennzeichnen.
-Wer hält die Reden?
-Worüber spricht er (Thema)?
-Wie ist der gesellschaftliche und geschichtliche Hintergrund?
-Wo spricht er?

2. Inhalt der Rede
Um den inhaltlichen Aufbau zu erfassen, wird der Text in sinnvolle Abschnitte untergliedert. Dazu fasst man die Rede in kurzen Blöcken zusammen, die jeweils eine Headline erhalten – die prägnante Beschreibung des Blockes in nur einem Satz. Die Quellenangabe der Zusammenfassung aus dem Original darf nicht vergessen werden.

3. Die Funktion des Inhaltes (Intention der Rede)
Der Redner verfolgt eine Absicht, diese muss gekennzeichnet werden, diese Argumentation wiederum muss durch den Analytiker belegt werden. Hilfreich ist es hier, die rhetorischen Mittel des Redners zu untersuchen. Nutzt der/die Redner/in Thesen, Beispiele, Rückblicke in Fakten oder unbewiesene Behauptungen, gar Beschimpfungen? Wie argumentiert die redende Person? Eine Möglichkeit, die rhetorischen Mittel zu untersuchen, ist die Analyse der Pronomenstruktur der Rede. Damit ist festzustellen, ob der/die Redner/in zum Publikum Nähe sucht oder Distanz schafft.

4. Analyse des Verhältnisses zwischen Redner und Publikum
Es ist herauszuarbeiten, ob der Redner das Publikum erreichen wollte und dieses auch geschafft hat oder ob sich eher eine (gewollte oder ungewollte) Distanz aufgebaut hat. Des Weiteren ist bei diesem Punkt sehr genau zu klären, ob der Redner manipulieren oder informieren wollte. Der vierte Punkt klärt das Verhältnis des Redners zu seinem Thema und zu seinem Publikum.

5. Kennzeichnung der Rede
Hier erfolgt ein Vorab-Fazit. Die Rede kann nach der vorangegangenen Analyse einem bestimmten Typus zugeordnet werden. Sie kann der Gerichtsrede (auch ohne Gericht), der politischen oder der Festrede zugeordnet werden. Nach dem Kommunikationswissenschaftler Karl Bühler lässt sich auch die Unterscheidung nach der Expressivität (starker oder schwacher Ausdruck), der Darstellung (im Mittelpunkt können Geschehnisse, Fakten oder Personen stehen) oder dem Appell vornehmen.

6. Abschließendes Fazit
Zum Schluss wird die Redeanalyse zusammengefasst, um herauszuarbeiten, was das Ziel der Rede beziehungsweise des Redners war. Das ermöglicht die Einordnung der Bedeutung dieser Rede, auch ihre Wirkung kann so eingeschätzt werden.

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7 comments… add one
  • Vielen Dank für diese Anleitung!
    Sie hat mir sehr geholfen 🙂

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  • Die einzig brauchbare Anleitung im Netz. Vielen lieben Dank!

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  • heyy echt cool und ich morgen eine arbei darüber 😀

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  • schreibe morgen eine klausur. hat mir geholfen 😉

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  • cool wir schreiben keine arbeit darüber 🙂

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  • Sehr schön.

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  • Super Tipps! Schreibe gleich eine Klausur in Englisch über eine Redenanalyse, ich hoffe, dass da aber nicht so viel erwartet wird 😀

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