Hiob – Inhaltsangabe | Zusammenfassung – Joseph Roth

Kurze Inhaltsangabe zu Hiob

Schriftsteller und Journalist Joseph Roth schrieb den Roman Hiob. Dieses Stück trägt den Untertitel: Roman eines einfachen Mannes. Der Autor erzählt in seinem Roman von dem schicksalhaften Leben des jüdischen Bibellehrers Mendel Singer. Der Ort der gesamten Handlung ist fiktiv und befindet sich im zaristischen Russland in Schtetl Zuchnow sowie in New York. Der Roman lässt sich in zwei Teile aufteilen. Mendel muss im Zuge seines Lebens mehrere Schicksalsschläge hinnehmen, bevor er als alter Mann wieder zurück zu seinem Sohn zurück findet. Joseph Roth nimmt seine Leser mit auf eine Reise von Russland nach New York und erzählt eine tragische Familiengeschichte.

Ausführliche Zusammenfassung von Hiob

Mendel Singer und seine Familie

Die Titelfigur dieses Romans ist der dreißigjährige Bibellehrer Mendel Singer. Er verdient den Lebensunterhalt für sich, seine Frau und seine beiden Söhne. Doch führt die Familie rund um Mendel Singer ein Leben, mit dem der Mann nicht zufrieden ist. Seine Frau heißt Deborah und seine Kinder Jonas und Schemarjah. Hinzu kommt eine Tochter namens Mirjam. Im Zuge der Geschichte wird noch ein viertes Kind namens Menuchim geboren. Doch leider zeigt das Kind schon mit zwei Jahren erste Entwicklungsstörungen. Ein Arzt stellt fest, dass Menuchim an Epilepsie leidet. Sie raten der Familie und dem Bibellehrer zu einer Behandlung in einem der russischen Krankenhäuser.

Mendel Singer lehnt dies ab und sucht Halt und Schutz in Gebeten. Sie treffen auf einen Rabbi, dieser prophezeit der Familie und Deborah, dass ihr Kind nach vielen Jahren über die Krankheit hinweg kommt und zu einem ganz besonderen Mensch heranreift. Der Rabbi rät der Frau, ihr Kind nicht im Stich zu lassen. Daraufhin überschüttet Deborah ihr Kind mit Liebe, mehr als die Geschwister. Die Jahre vergehen und Menuchim wird älter.

Militärdienst und jüdischer Glauben

Deborah gibt ihren Sohn in den Verantwortungsbereich der Geschwister. Diese sind von der Entscheidung der Mutter nicht begeistert, denn Menuchim fällt schnell zur Last. Sie quälen ihn, doch überraschenderweise überlebt der Kleine dieser Torturen. Menuchim kann nur ein Wort sprechen: Mama. Als Deobrah dieses Wort zum ersten Mal aus dem Munde ihres kranken Kindes wird, bricht sie in Tränen aus. Selbst 10 Jahre später kann Menuchim immer noch nur dieses eine Wort sagen. Je mehr Deborahs Liebe für ihren kranken Sohn wächst, desto kleiner werden die Gefühle für ihren Mann. Über ihr Leben altern die beiden sehr schnell. Ihre Tochter, mittlerweile eine hübsche junge Frau, flirtet mit dem Kosaken. Ihre Eltern hoffen, die Söhne würden dem Militärdienst entgehen, da der russische Militärdienst sich dem jüdischen Gesetz widersetzt. Doch ihre Hoffnungen werden enttäuscht: Jonas und Schemarjah werden beide vom Militär eingezogen. Mendel Singer sieht diese Handlung als einen wirklichen Schicksalsschlag, der mit der Strafe Gottes gleichzusetzen ist.

Das harte Schicksal der Familie

Deborah kann nicht verstehen, dass ihr Mann so tatenlos zusieht. Sie nimmt die Situation und das Schicksal ihrer Kinder selbst in die Hand und macht sich auf den Weg zu einem zwielichtigen Kapturak. Dort möchte sie mit Geld ihre Söhne vom Militärdienst freikaufen. Sie hat jedoch nur Geld für eines ihrer Kinder. Die Entscheidung, welchen ihrer Söhne sie retten soll, zerstört die liebende Mutter. Unterdessen bricht Jonas mit der Familie und geht in die Dienste eines Fuhrmannes. Er hält rein gar nichts von den jüdischen Gesetzen und lässt sich bei auf die Kosaken ein.

Mendel Singers Entdeckung

Mendel Singer ist Zuhause mit seinem Sohn Menuchim und muss feststellen, dass sein Kind auf einen glockenhellen Klang reagiert. In der Zwischenzeit verabschiedet sich die Familie von Schemarjah. Der Kapturak bringt ihn unterdessen über die westlichen Grenzen und gibt ihm einen neuen Namen. Er heißt ab sofort Sam und geht nach Amerika. In einem Brief lässt er seine Eltern wissen, dass er sie und die Kinder nachkommen lassen möchte.

Die Flucht der Familie aus Russland

Mendel Singer kommt hinter das Verhältnis zwischen seiner Tochter und einem Kosaken. Im gleichen Zusammenhang entschließt er gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter, nach Amerika zu gehen. Deborah willigt ein, ihrem Mann zu folgen und gegen den Rat des Rabbis, Menuchim in Russland zurückzulassen. Sie gibt ihn in die Hände der jüdischen Familie Bille. Nun geht es für die ganze Familie von Bremen direkt nach New York. Der erste Teil dieses Romans gilt als beendet.

Teil 2

Das Leben in New York

Mendel Singer findet schnell Freunde in New York. Doch bleiben Land und Stadt immer fremd. Er spürt eine große Sehnsucht nach seinem kranken Kind. Auch wenn sich seine Frau viel leichter in Amerika einlebt, ist sie immer noch unzufrieden mit den Lebensumständen der Familie. Seine Tochter Mirjam hat den Kosaken schnell vergessen und geht ein Verhältnis mit Sams Freund Marc ein.

Hoffnungsvolle Briefe treffen ein

Unterdessen trifft ein weiterer Brief bei Mendel und Deborah ein. In diesem Brief steht, dass ihr krankes Kind mittlerweile anfängt, zu sprechen. Auch ihr verlorener Sohn Jonas schreibt seiner Familie einen persönlichen Brief. Der Vater realisiert nun, dass alle seine Kinder ordentliche Zukunftsaussichten haben. Er selbst jedoch ist entwurzelt, ihn überfordert all das Neue und er realisiert, dass seine Frau zu einer Fremden geworden ist. Mendel bewegt noch ein Wunsch: Er möchte sein krankes Kind Menuchim noch einmal in seinem Leben sehen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs sieht der Vater das Leben seiner beiden Kinder in Russland in Gefahr. Er fühlt sich schuldig. Besonders dann, als auch Amerika sich am Krieg beteiligt.

Sam stirbt und stürzt die Familie ins Unglück

Sam wird nun eingezogen und fällt im Krieg. Niemand weiß, wo Jonas abgeblieben ist. Als seine Frau Deborah die Nachricht von Sams Tod in den Händen hält, fällt sie im nächsten Augenblick tot um. Seine Tochter Mirjam hingegen bekommt nach der Trauerzeit eine Psychose und muss in einer Anstalt eingeliefert werden. Mendel versteht die harte Strafen nicht, die man seiner Familie auferlegt hat. Er möchte seinen Bücher, Gebetsriemen und den Mantel verbrennen, da er allmählich an Glauben verliert. Einzig und allein seine Freunde stehen zu ihm und geben ihm ein Hinterzimmer in einem Schallplattenladen. Mendel erklärt sich bereit, kleinere Botengänge zu erfüllen. Er redet fortan nicht mehr und gilt als gesellschaftlicher Außenseiter.

Das kleine Wunder kommt nach Amerika

Mit dem Kriegsende hält Mendel eine Schallplatte aus Europa in den Händen, auf der Menuchims Lied zu hören ist. Eines Tages kommt der Komponist und Dirigent Alexej Kossak nach Amerika und erkundigt sich nach Mendel Singer. Er fragt auch nach Mirjam und Deborah. Darüber hinaus ergibt sich eine Möglichkeit, dass Jonas immer noch lebt. Die Familie Skowronnek, bei der Mendel untergekommen war, fragt schlussendlich nach Menuchim. Daraufhin gibt sich der Dirigent und Komponist genau als dieses Kind zu erkennen. Die Nachricht von diesem neuen Wunder und Mendels neues Glück verbreiten sich in Windeseile und der einstige Bibelleser findet zu Gott zurück. Mendel Singer lebt fortan mit seinem Sohn Menuchim wieder zusammen und findet jetzt endlich Ruhe und Frieden.

Parallelen und Gemeinsamkeiten: Mendel Singer und Hiob

Rein formal ist dieser Roman in zwei Teile und 16 Kapitel einzuteilen. Der Leser wird durch eine märchenhafte Formulierung zu Beginn willkommen geheißen: „vor vielen Jahren lebte. …“ Datiert ist die Geschichte um ca. 1900 zur Zeit des russisch-japanischen Krieges. Die gesamte Legende ist wiederum ein Hiobs Geschichte angelehnt. Dies lässt sich an der parataktischen Sprachverwendung und zugleich an die pathetischen Äußerungen aus dem Alten Testaments nachvollziehen.

Mendel Singer und Hiob haben eines gemeinsam: Sie verlieren alles und scheinen an der Härte und Strafe Gottes zu verzweifeln. Ebenso wie in der Geschichte von Hiob ist der jüngste Sohn das Lieblingskind, das den Neid seiner Geschwister erntet und fast getötet wird. Menuchim wird auf diese Art und Weise zu einem Erlöser, der Heil bringt, ähnlich wie der Messias aus dem Neuen Testament.

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