Die Physiker – Inhaltsangabe/Zusammenfassung – Dürrenmatt

Kurze Inhaltsangabe zu Die Physiker

Dem Untertitel dieses Dramas ist zu entnehmen, dass es sich um eine Komödie in zwei Akten handelt – ein Stück aus der Reihe der Dramen des Schweizers Friedrich Dürrenmatt. Die entscheidenden Titelfiguren in diesem Stück sind drei Physiker, die zugleich schräge Patienten in einer psychiatrischen Klinik sind. Die eigentliche Handlung setzt mit der Entdeckung eines Physikers ein, von der eine Gefahr für die ganze Welt ausgeht. In diesem Zusammenhang kommt es zugleich zu einer Grundsatzdiskussion und Fragen nach der eigentlichen wissenschaftlichen Verantwortung. Eines der klassischen Stücke aus der Feder Dürrenmatts zeigt die typischen Merkmale des Zufalls, der Wendungen sowie der schnellstmöglichen Entwicklung. Jeder Physiker hält sich für einen berühmten Wissenschaftler: Albert Einstein, Isaac Newton und Johann Wilhelm Möbius. Letzterer soll eine Formel entdeckt haben, die in falschen Händen zum Ende der Welt führt. So möchte benannter Physiker – Möbius – dem fahrlässigen oder auch vorsätzlichen Missbrauch dieser Entwicklung entgegenwirken. Im „realen“ Leben sind Einstein und Newton jedoch Vertreter rivalisierender Geheimdienste. Beide haben sich nur aus einem Grund in das Irrenhaus einweisen lassen, um an die Erkenntnisse und an eine folgende Instrumentalisierung zu kommen. Schlussendlich stellt sich heraus, dass die einzig „Verrückte“ im Stück die Chefärztin Mathilde von Zahnd ist. Diese kopiert sich die geheimen Erkenntnisse, um mithilfe der Formel die Weltherrschaft an sich zu reißen. Über die einsetzenden Morde, die sich im Zuge dieser Tragikomödie ereignen, sind die eigentlich „Normalen“ in diesem Stück als verrückt gebrandmarkt und bleiben unverrichteter Dinge im Irrenhaus zurück.

Ausführliche Kapitelzusammenfassung zu Die Physiker

1. Akt

Mit dem Start dieser Tragikomödie geht es direkt in den ersten Akt an einen der unmittelbaren Tatorte. Der Täter: Ernst Heinrich Ernesti – besser bekannt als Einstein. Einstein hat in der Anstalt die Schwester Irene Straub erdrosselt. Der leitende Kriminalinspektor – Richard Voß – kehrt an seinen allseits bekannten Tatort zurück und untersucht den Mord. Bereits vor Wochen ereignete sich Ähnliches. Das damalige Opfer – Dorothea Moser – wurde ebenfalls erdrosselt. Der Täter war jedoch der Physiker Herbert Georg Beutler – besser bekannt unter dem Namen Newton. Zu einer eigentlichen Bestrafung kam es nicht, da beide von der Anstaltsleitung als unzurechnungsfähig eingestuft wurden. Gerade in dieser Tatsache macht sich eine erste kuriose Gegensätzlichkeit auf, die der eigentlichen Tragik des Mordes einen ironisch humoristischen Touch verleiht.

Die surrealen Taten der drei Physiker

Die Anstalt ist lediglich mit drei Zimmern ausgestattet in der wiederum drei Patienten untergebracht sind. Der einzige Insasse dieser Nervenklinik ist Johann Wilhelm Möbius. Er hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt, bis zum Einsetzen der eigentlichen Handlung unauffällig verhalten. Möbius muss tatenlos mit ansehen, wie sich seine Exfrau von ihm verabschiedet und gemeinsam mit ihrem neuen Mann und den drei Kindern auf die Marianen ausreißt. Möbius spielt nur den Geisteskranken vor seiner Familie. Er möchte auf diese Weise einen Schlussstrich ziehen. Nachdem seine Frau, ihr neuer Mann und die Kinder die Anstalt verlassen haben, gesteht Schwester Monika Möbius ihre Liebe. Es kommt zu einer äußerst skurrilen Situation, in der sich beide ihren Zukunftsplänen hingeben. Völlig unerwartet greift sich Möbius einen Vorhang und erdrosselt Schwester Monika – der dritte Mord ist perfekt. Der Leser mag an dieser Stelle wohl nicht mehr an der seelischen Verfassung von Möbius zweifeln, doch weit gefehlt.

Der geheime Plan des Insassen Möbius

Möbius ist ein 43-jähriger Physiker, der seine Rolle in der Anstalt eigentlich nur spielt. Er möchte seine Entdeckungen geheim halten. Beim Eintreffen seiner Familie kommt es zu einer Übersteigerung seines angeblich verrückten Verhaltens, um seine Lieben mit einem guten Gefühl gehen zu lassen. Sein Verhalten lässt sich als egozentrisch und egoistisch beschreiben. Er lässt seiner Frau keine Worte der Dankbarkeit zukommen, wobei diese einst sein gesamtes Physikstudium finanzierte. Als angeblicher Geisteskranker handelt er im Sinne Salomons und befolgt seine persönlichen Visionen. Eigentlich erteilt ihm Salomon den Befehl, Schwester Monika zu ermorden. In diesem Zusammenhang offenbart sich ein konträres Absurdem, da sich beide ihre Liebe gestehen und diese erwidern. Möbius gesamtes Handeln in diesem Stück ist davon getrieben, seine „wahre“ Identität als Physiker im Verborgenen zu halten.

Zweiter Akt

Mit Einsetzen des zweiten Aktes kommt der Kriminalinspektor in der Anstalt an. Nun soll er den dritten Mord an Schwester Monika genauestens protokollieren. Voss unterhält sich kurz mit der Anstaltsleitung und muss im Anschluss realisieren, dass ihm auch in diesem Fall die Mittel fehlen, um Möbius für den Mord zur Rechenschaft zu ziehen. Auch hier wird auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert. Im späteren Verlauf kommt es zu bestimmenden Gesprächen zwischen den drei Physikern. Diese setzten mit dem Dialog zwischen Newton und Möbius ein – hier erfolgt die eigentliche Wendung in diesem Stück und widerlegt die eigentliche Ausgangsposition.

Der leitende Kriminalinspektor Voß verfolgt seine eigene Tätigkeit mit dem nötigen Ernst und versucht mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, den Täter anzuklagen. Doch die Regeln der Anstalt stehen ihm im Wege. So greift er sich ein Gläschen Wein und eine Zigarre, um der gesamten Situation etwas Ironisches abzugewinnen. Auch wenn er augenscheinlich den eigentlichen Irrsinn der Physiker zu akzeptieren scheint, versucht er immer wieder, mit Fragen dem wirklichen Ursprung auf die Schliche zu kommen. Dabei hält sich Voß persönlicher Ehrgeiz in Grenzen. Beim Mord an der dritten Schwester Monika hält er es nicht mal mehr für nötig, den Täter zu befragen. An dieser Situation wird deutlich, dass Voß die eigentlichen Ermittlungen schon aufgegeben hat.

Mathilde von Zahnd – die durchtriebene Anstaltsleitung

Die Leiterin der Anstalt ist Mathilde von Zahnd. Sie hat alle drei Physiker in der Hand. Im Zuge ihrer Tätigkeit ist es der Leiterin gelungen, eine bedeutende Pflegeanstalt aufzubauen und sich auf diese Weise ein erhebliches Vermögen zu sichern. Sie widmete voller Stolz ihr gesamtes Leben ihrem Werk und hat dennoch niemanden mit dem sie ihren Erfolg und ihren Reichtum teilen kann. Nach den drei Morden an ihren Krankenschwestern, hatte sie zunächst drei männliche Pfleger – allesamt Profiboxer – eingestellt, um zum Anschein weitere Morde zu verhindern.

Die entscheidenden Dialoge der drei Physiker

Newton gesteht in den folgenden Dialogen, für eine westliche Organisation zu arbeiten, um auf diese Art und Weise an die geheime Weltformel heranzukommen. Diese Weltformeln hat Möbius entwickelt. Im nächsten Schritt kommt Einstein in dieses Gespräch. Auch er hat sich in die Anstalt einweisen lassen, da er ebenfalls an den geheimen Formeln von Möbius interessiert ist. Beide reden auf ihn ein und möchten Möbius dazu bringen, die geheimen Manuskripte freizugeben. Im Zuge dieses zentralen Gesprächs stellt sich Schritt für Schritt heraus, dass Möbius die Manuskripte bereits verbrannt hat. Darüber hinaus berichtet er, dass er die Formel nur zerstört hat, weil sein Plan für ihn gescheitert ist. Er überredet, Einstein und Newton in der Anstalt zu bleiben. Die augenscheinliche Startsituation der drei Irren scheint sich immer weiter aufzulösen und ins Gegenteil zu verwandeln.

Offenes Ende mit überraschender Wendung: Wer ist der „Irre“?

Dürrenmatts Tragikomödie endet mit der schließenden Handlung, als die leitende Person der Anstalt im Gespräch auftritt und den drei Physikern berichtet, die Formulare heimlich kopiert zu haben. Sie steckt eigentlich hinter dem Plan und hetzte die drei Schwestern auf die Physiker. Nach deren Morden konnte sie sicherstellen, dass alle Insassen auf immer und ewig in der Anstalt bleiben. Sie gibt zu, mittlerweile übergeschnappt zu sein, hat jedoch alle Personen in der Anstalt durchschaut und kann die Formeln nun für sich nutzen. Die Physiker kehren in ihre Zimmer zurück. Dürrenmatt überlässt den weiteren Verlauf der Phantasie und den Spekulationen seiner Leser und hat es in dieser Tragikomödie wieder geschafft, aus einer zufällig dramatischen Begebenheit ein surreal entwirrendes Spiel zu entwickeln. Im Hintergrund schimmern immer wieder versteckte Kritiken an der Gesellschaft und den Werten und Normen der Menschen hervor.

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