Symbolismus (Epoche) Merkmale, Personen, Gedichte

Der Symbolismus ist eine im späten 19. Jahrhundert in Frankreich entstandene literarische Richtung, die als Gegenbewegung zur Vernunft (Realismus, Naturalismus, Aufklärungszeit) durch idealistische Züge gekennzeichnet ist.

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Die Symbolisten wollten nicht die Realität wiedergeben sondern eine eigene Kunstwelt erschaffen. Das Ziel sollte von Bindung an Zweck, Belehrung, Moral und Realität frei sein.

Geschichtliche Einflüsse

Der Symbolismus war zwischen 1860 und 1925. Seine Wurzeln sind auf den historischen Ereignissen des 19. Jahrhunderts zu suchen, wie zum Beispiel:

die Industrialisierung (die Erfahrung der Großstadt und die darauffolgende soziale Themen),

dem neuen Deutschen Reich (1871, entwickelte sich ein neureiches, selbstzufriedenes Bürgertum) und

die Politik in der Zeit des Kaisers Wilhelm II. (1888-1918).

Trotz allem ist der erste Weltkrieg (1914-1918) das entscheidende Erlebnis dieser ganzen Generation: Der Krieg war so entsetzlich und sinnlos, dass die jungen Menschen oft ihren Glauben an die Werte der Vorkriegszeit verloren. Nach dem Krieg hofften viele auf einen neuen Anfang.

Philosophie

Friedrich Nietzsche (1844-1900) hatte den Hauptgedanke im Symbolismus: „Es gibt keine religiöse Bindung mehr, keinen übergeordneten Sinn, man wertet alle Werte um. Der Nihilismus interessiert viele Menschen.“ Nihilismus steht allgemein für eine Orientierung, die auf der Verneinung jeglicher Seins-, Erkenntnis-, Wert- und Gesellschaftsordnung basiert.

Malerei

Kennzeichnend für den Malstil war vor allem die Verwendung von Metaphern und Symbolen zur Vermittlung bestimmter Botschaften. Typische Themen des Stils sind Mythen, Tod, Leidenschaft und Sünde. Die Künstler vermissten aus der vorangegangenen Epoche des Realismus die Gefühle und das Seelenleben. Als erster Vertreter des Symbolismus gilt der Maler Gauguin. Er beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Ängsten, Träumen und verschiedenen Seelenzuständen und arbeitete vordergründig mit Symbolen. Der Fuchs stand beispielsweise in der Bretagne als ein Symbol der sexuellen Potenz und der erwachenden Natur.

Motive im Symbolismus

Die anstrebende Kunstwelt der Motive ist eng mit der realen Welt verwandt und kann somit auf das echte Leben übertragen werden. Im Symbolismus handelt es sich um vier Hauptmotive:

 

1. Die Abkehr von der Wirklichkeit

– zieht sich bewusst zurück von der gesellschaftsbezogenen Wirklichkeit

– Kunst ist „reine Schöpfung“ (durch nichts bedingt und zu nichts verpflichtend, außer zum Dienst an sich selbst)

– traumhafte Bilder

– idealer Schönheitsdrang: Verwirklichung in der Kunst

– verrätselte Metaphern

– Vertauschung realer und imaginierter Sinneseindrücke

– bewusst dunkle Aussagen

– verzichtet auf Wirklichkeitswiedergabe, auf konkrete Inhalte, die Vorstellung objektiver Gegenstände, persönlicher Empfindungen oder äußere Stimmungseindrücke.

 

2. Herstellung einer eigenständigen Welt der Bilder und Worte

– Gegenstand: dahinterliegende Ideen, die unendlich, geheimnisvoll, magisch sind

– das Gedicht hat – nach symbolistischer Auffassung, jene Bedeutung, die ihm der Leser gibt

– Andeutungen statt Nennungen

Die innere Wirklichkeit kann nur durch die Symbolkraft der künstlerischen Sprache ausgedrückt werden.

 

3. Sprachmagie

– Einbau mystischer Elemente

– Gesang (Klangsymbolik) / magische Beschwörung

– Dichte der Form in einem umfassenden Netz von Lauten und Bedeutungen

– äußerste Konzentration des Wortes auf seine sinnbildliche Aussagekraft

– Exotik, Wortneuschöpfungen, Metapherschichten

– Assoziationen, Mehrdeutigkeit

Schlüsselbegriffe sind: "Geheimnis", "Schönheit" und "Seele".

 

4. Ästhetische Kategorien

– Eliminierung aller Fremdzwecke wie Beschreibung, Belehrung, Polemik usw.

– Poesie als reine Ausdruckskraft

– die Idee des Schönen – eine autonome Welt der Schönheit, die symbolhaft die geheimnisvollen, magisch-mystischen Zusammenhänge zwischen den Dingen, die hinter allem Sein liegende Idee erahnbar machen soll

– Vorbild: die Musik

 

Im späteren Verlauf des Symbolismus wurde durch die Übertragbarkeit des Symbolismus auf die Realität auch eine Verbesserung der Gesellschaft angestrebt.

 

Typische Gattungen des Symbolismus

 

– Sonett, Terzine (betontes Formbewusstsein)

– überwiegend Lyrik: streng-gefügte, melodische Gedichte

Drama (Einakter)

Gedichte

 

 

Klage der Ariadne:

 

Wer wärmt mich, wer liebt mich noch?
Gebt heisse Hände!
gebt Herzens-Kohlenbecken!
Hingestreckt, schaudernd.
Halbtodtem gleich, dem man die Füsse wärmt,
geschüttelt ach! von unbekannten Fiebern,
zitternd vor spitzen eisigen Frostpfeilen,
von dir gejagt, Gedanke!
Unnennbarer! Verhüllter! Entsetzlicher!
Du Jäger hinter Wolken!
Darnieder geblitzt von dir,
du höhnisch Auge, das mich aus Dunklem anblickt!

 

So liege ich,
biege mich, winde mich, gequält
von allen ewigen Martern,
getroffen
von dir, grausamster Jäger,
du unbekannter – Gott […]

(Friedrich Nietzsche)

 

Dichter

 

Charles Baudelaire (1821-1867)
– Die Blume des Bösen (1857)

 

Stefan George (1868-1933)

– Wille zur Form (Audio 1)

– Werk in Soren Kierkegaard (1813-1855)

– Das Jahr der Seele (1897)

– Blätter für die Kunst (1892)

 

Stéfane Mallarmé (1842-1895)

– Der Nachmittag eines Fauns (1876)

 

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

– Dionysos-Dithyramben (1888)

– Idyllen aus Messina (1882)

 

Arthur Rimbaud (1854-1891)

– Das trunkene Schiff (1871)

– Eine Zeit in der Hölle (1873)

 

Paul Verlaine (1844-1896)

– Lieder ohne Worte (1874)

– Die verfemten Dichter – u. a. über Rimbaud und Mallarmé (Essay 1884)

– Lyriksammlung "Jadis et naguère" (1884)

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