Schuluniform Erörterung

Hier findet ihr eine Erörterung zum Thema Schuluniform.

Der Ausformung von den in England so beliebten Ticks und Schrulligkeiten des einzelnen [!] hat das keinen Abbruch getan“ schreibt Christine Brinck in ihrem Text „Steckt die Schüler in Uniform!“.

Im Wesentlichen stellt sie die These auf, Schüler müssten in der Schule Uniformen tragen um bessere Schulleistungen erbringen zu können. Sie stellt Amerika, England und Deutschland in Beziehung, allerdings ist es fraglich, ob man diese drei Staaten hundertprozentig miteinander vergleichen kann.

Für Christine Brinck stellt die Uniform eine Erleichterung der Geldbörse dar, da immer mehr Jugendliche wert auf Markenprodukte und „Coolness“ legen, was sich meistens auf die Finanzen der Eltern mehr oder weniger erheblich auswirkt. Sie scheint allerdings nicht zu bedenken, dass SchülerInnen auch außerhalb der Schule noch ein Leben haben, in dem sie keine einheitliche Uniform tragen bzw. tragen wollen.

Sie schreibt auch, dass die Individualität dadurch nicht beeinträchtigt wäre, da auch Menschen in vielen verschiedenen Berufsgruppen Uniformen tragen. Aber was haben Ärzte, Stewardessen oder sonstige uniformierte Erwerbstätige mit SchülerInnen zu tun? Es ist nahe liegend, dass man einem Arzt, der wie ein Obdachloser gekleidet und vielleicht auch dementsprechend gepflegt ist, weniger Vertrauen entgegen bringt (wodurch dieser keine optimale Behandlung anbieten kann), als einem steril in weiß gekleideten Arzt, mal abgesehen von der gesundheitlichen und hygienischen Komponente. Wenn ein Schüler allerdings in dieser Art gekleidet in der Schule sitzt, ungeachtet dessen, was in seinem privaten Umfeld vor sich geht, wird er wahrscheinlich weder eine bessere noch schlechtere Schulleistung erbringen als in Uniform.

Auch ist für die Autorin die Uniform eine geeignete Präventivmaßnahme gegen die Einschüchterung einzelner Schüler, da sie offensichtlich die Schuld an diesen Ereignissen auf die Kleidung schiebt. Man muss aber dazu sagen, dass Einschüchterungen dieser Art nicht allein auf das Konto der Kleidung und des Aussehens, sondern ebenfalls des Charakters und der Persönlichkeit der betroffenen Person gehen.

Christine Brinck sagt „dass die Schule ein besonderer Ort ist, für den man sich auf besondere Weise vorbereitet. […], so sollten auch Schüler […] ihren ‚Arbeitsplatz’[,] in einer angemessenen Kleidung betreten.“ Natürlich ist es nicht unbedingt angebracht die Schule in Bikini und Hotpants zu betreten, allerdings lässt der Ausdruck „angemessen“ hier einen sehr breiten Spielraum für Interpretationen zu. Abgesehen davon hat es bisher anscheinend niemanden so erheblich gestört, dass Uniformen nicht zu der Standardausrüstung eines jeden Schülers gehören, warum also jetzt plötzlich? Und wäre das Thema nicht schon viel früher aufgekommen, wenn es ernsthaft als so störend empfunden wird?

Kleidung signalisiert also Einstellung“ schreibt Frau Brinck. Tatsache ist, dass sich verschiedene Kleidungsstile zu verschieden Anlässen in unserer Gesellschaft nun einmal etabliert haben, wie bei Hochzeiten oder Beerdigungen, um nur zwei Beispiele aus vielen zu nennen. Dadurch wird eben Freude bzw. Trauer ausgedrückt und bei solchen Anlässen hat wahrscheinlich jeder die gleiche Einstellung. Man kann aber nicht von allen Schülern verlangen, die gleiche Einstellung gegenüber der Schule zu haben, und sie somit auch nicht zwingen, eine einheitliche Uniform zu tragen, noch dazu kann ein Individuum seine persönliche Einstellung gegenüber Schule, Gesellschaft etc. nicht mehr in seiner bevorzugten Art und Weise ausdrücken.

Es ist utopisch zu glauben, dass eine Uniform mehr Selbstwert – und Zugehörigkeitsgefühl aufkommen ließe, wodurch die Schulleistung eines Einzelnen gesteigert werde, was unlogisch erscheint, denn sonst dürfte theoretisch kein uniformierter Schüler auf der Welt Probleme in der Schule haben.

Identifikation mit der eigenen Schule und daraus folgend mehr Stolz und Respekt für diese wird ebenfalls als Argument angegeben. Aber ist dazu wirklich eine Uniform nötig? Stolz und Respekt für die Schule sind unabhängig von der Uniform, denn es sind die ideellen Werte (Unterrichtsform, Persönlichkeit/Einstellung der Lehrer bzw. des Direktors etc.) die einen Schüler stolz machen, oder eben auch nicht.

Wie bereits erwähnt vergleicht Christine Brinck Amerika, England und Deutschland miteinander ohne wirklich Rücksicht auf die kulturellen, gesellschaftlichen und auch politischen Unterschiede zu nehmen.

In Amerika sieht die Situation folgendermaßen aus: In amerikanischen Schulen – vor allem in Großstädten – beginnt man Kleidungsvorschriften durchzusetzen. Es werden bestimmte Schmuckstücke in Nase, Ohren und auf den Zähnen verboten, sowie pelzgefütterte Lederjacken und Basketballjacken bestimmter Clubs. Zu erwähnen ist jedoch, dass der Besitz jener Sachen einen hohen Neidfaktor darstellt, der in der weit auseinanderreichenden Kluft zwischen Arm und Reich schon dem einen oder anderen das Leben gekostet hat, zumal in Amerika die Kriminalitätsrate ein Vielfaches von jener in England und Deutschland sowie die Mentalität und Moral eine andere ist.

Die […] Engländer stecken ihre Kinder seit Ewigkeiten in Schuluniformen.“ So individualistisch und demokratiebesessen die Engländer sein mögen, so konservativ sind sie auch. Die englischen Schüler tragen seit „Menschengedenken“ Uniformen, was auch niemanden sonderlich wundert, da die Schuluniform in England einen relativ hohen Stellenwert besitzt und genau darin liegt der Unterschied zum mehr oder weniger „unmoralischen“ Amerika und zum „modernen“ Deutschland.

Die Notwendigkeit der Uniform in Deutschland begründet die Autorin mit dem zunehmenden Zoff und Leistungsverfall. Ihrer Aussage zufolge ist die Schuluniform dafür zu gebrauchen, Kinder von Einheimischen und Ausländischen zu solidarisieren und ihnen gegenseitigen Respekt einzuflößen. An diesem Punkt schiebt Frau Brinck die Schuld am Zoff und Leistungsverfall wieder der Kleidung im wahrsten Sinne des Wortes in die Schuhe. Aber man sollte nicht beim Aussehen, sondern bei den Einstellungen und Vorurteilen der Eltern, Vorbilder und Pädagogen beginnen, die bedauerlicherweise bis zum heutigen Tag noch nicht aus der Welt geschafft wurden.

Auch haben sich die Moralvorstellungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich gewandelt. So wird Sex im Fernsehen nicht mehr als unsittlich bezeichnet und Leute in Videospielen „umzuballern“ ist völlig normal geworden.

 

Meiner Meinung nach ist die Uniform absolut nicht die „ultimative“ Lösung für Probleme in Schulen.

Das Argument, von wegen kein Kaufzwang mehr, zieht nicht, da die Jugendlichen in ihrer Freizeit wahrscheinlich nicht freiwillig in Schuluniform herumspazieren, zumindest kenne ich persönlich niemanden, der sich derart mit seiner Schule verbunden fühlt.

Einschüchterungen – heutzutage auch Mobbing genannt – werden wahrscheinlich trotz Uniform anhalten, da die Uniform die Persönlichkeit und den Charakter kaum beeinflusst oder gar verändert.

Ich bezweifle, dass sich die Schulleistungen der einzelnen Schüler durch Schuluniformen so drastisch wie beschrieben bessern, denn sonst dürfte kein einziger Uniform-Träger Probleme in der Schule haben. Oder etwa doch?

Die Individualität des Einzelnen wird innerlich zwar nicht eingeschränkt, äußerlich ist es jedoch wieder etwas ganz anderes. Denn wenn man seine Einstellung zeigen möchte, dann meistens öffentlich und durch seine Art sich zu kleiden, aber dies geht mit Uniform doch etwas schwer.

Wenn es schon eine Uniformpflicht an Schulen gibt, dann wäre es doch angebracht, die „freiwilligen“ Schüler – also die Schüler außerhalb der Pflichtschule – davon zu verschonen. Denn meiner Meinung nach gehen Schüler nur dann freiwillig auf eine Schule, wenn sie kein Problem mit der jeweiligen Schule oder deren Methoden haben und somit können sich die Schüler auch ohne Uniform mit ihrer Schule identifizieren.

Ich bin der Auffassung, dass man über eine Kleidervorschrift oder gar eine Uniformpflicht in Schulen gründlich nachdenken und vor allem die Betroffenen nicht aus diesem Prozess ausschließen sollte.

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1 comment… add one
  • Mann, hat die Autorin einen an der Waffel.

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