Kabale und Liebe Szenenanalyse

Szenenanalyse: Kabale und Liebe (III.Akt, 1.Szene)

In seinem Drama „Kabale und Liebe“, welches im Jahre 1784 verfasst und uraufgeführt wurde, thematisiert Friedrich Schiller die unglückliche Liebe zwischen dem Adligen Ferdinand und der Bürgerstochter Luise. „Kabale und Liebe“ ist ein bürgerliches Trauerspiel aus der Epoche Sturm und Drang, . Diese Form des Dramas konzentriert sich nicht länger auf den Adel, sondern verlegt die Entfaltung der Tragik in das Bürgertum. Zudem übt es Kritik an den Ständeklausel und der adligen Unterdrückung gegenüber dem Proletariat aus.

In Schillers Werk setzt er diese Kritik in Form von seinen Akteuren Präsident von Walter und dessen Sekretär Wurm um. Der 3.Akt, 2.Szene spielt im Saal des Präsidenten, wo die beiden über den fehlgeschlagenen Versuch von Präsident von Walter, Luise und Ferdinand, der Sohn des Präsidenten, zu trennen, diskutieren. In seiner Wehr, drohte Ferdinand seinem Vater der Welt die Wahrheit über dem Tod des vorherigen Präsidenten zu enthüllen.

Die Szene fängt mit dem wütenden Präsidenten an, der darüber verärgert ist, dass sein Plan fehlgeschlagen ist. Wurm hingegen ist gefasst und betrachtet die Situation sehr nüchtern, dabei erklärt er, „Zwang erbittert […], aber bekehrt sie [die Schwärmer] nie.“ (vgl. S.51, Z.2-3 f.).
In den folgenden Stellen werden der Präsident und Wurm gegenübergestellt. Wurm erscheint als eine sehr kalkulierende Person, denn während der Präsident von Walter fehlerhaft im Schmieden seiner Pläne wirkt, ist es immer Wurm, der dem Präsidenten einen Ausweg bietet und ihn mit Rat besteht. Wurm selbst äußert sich zu dieser Aussage, mit den Worten: „Ich will sie zurückführen…“ (S.52, Z.15), was eine Wiederaufnahme von Präsident Walters Verbildlichung eines Abgrundes (vgl. S.52, Z.14 f.) ist.


Wurm zeigt seine hinterlistige Persönlichkeit in den darauffolgenden Passagen, als er dem Präsidenten dazu rät, Ferdinand nicht zum Feind zu machen (vgl. S.52, Z.26 f.), sondern ihm gegenüber den Vater zu spielen. Auch rät er dem Präsidenten dazu, nicht die Beziehung von Luise und Ferdinand zu bekämpfen, denn er ist der Meinung jeder Widerstand mache die Leidenschaft nur stärker (vgl. S.53, S.2f). Stattdessen solle der Präsident die Sache Wurm „überlassen“ (S.53, Z.2). Hier erfährt der Leser oder Zuschauer über Wurms Selbstwahrnehmung, denn er beschreibt sich selber mit den Attributen eines Wurmes zu, der die Liebe „zerfrisst“ (S.53, Z.3).


Darüber hinaus weist der Wurm ebenfalls eine gute Menschenkenntnis auf, als er die Feststellung macht, dass Ferdinand „in der Eifersucht so schrecklich [sei], wie in der Liebe“ (vgl. S.53, Z.6 f.).
Der Präsident sieht sich in einer Zwickmühle, denn er möchte nicht den Einfluss verlieren, den er durch eine Vermählung von Ferdinand mit der Lady Milford zu erreichen erhofft (vgl. S.53, Z.16 f.), doch zwänge er Ferdinand, liefe er Gefahr, seinen Hals zu verlieren (vgl. S.53, z18 f.).
Wieder entgegnet der Sekretär Wurm, der durch die Hilflosigkeit des Präsidenten „munter“ (S.52, Z.19) ist. Sein intriganter Charakter kommt wieder zum Vorscheint, indem er dem Präsidenten sein Vorhaben erklärt: „Den Herrn Major umspinnen wir [Wurm und der Präsident von Walter] mit [einer] List“ (S.53, Z.18-20) und er verwendet dabei eine Verbildlichung seiner selbst sowie eine Gleichsetzung von sich mit einer Spinne, die Spinnfäden webt, um ihre Opfer in die Falle zu fangen. Bei seinem Plan „diktieren [Sie] Luise einen Liebesbrief an eine dritte Person […] und spielen das dem […] Major in die Hände.“ (vgl. S.53, Z.21-22 f.) Hier erfahren die Leser oder Zuschauer von der geplanten Kabale, die Ferdinand und Luise trennen.

Der Präsident ist skeptisch gegenüber Wurms Plan. Dies drückt er aus, indem er sarkastisch fragt: „[…] ob sie [Luise] geschwind hin bequem würde, ihr eigenes Todesurteil zu schreiben?“
Wurm lässt sich nicht durch die Worte des Präsidenten verunsichern und erzählt von seiner Vorgehensweise. Er „kennt das gute Herz [Luise]“ (S.53, Z.27) und weißt, dass sie eine gewissenhafte Person ist (vgl. S.53, Z.58 f.). Er plant den Musikus aufgrund seines Auftrittes in der vorherigen Szene festnehmen zu lassen (vgl. S.53, Z. 33-35 f.). Wurm erklärt in einem weiteren Redeteil dem Präsidenten, Luises Eltern mit einer Androhung „von peinlicher Anklage, von Schafott, von ewiger Festung“ Luise zu der Kabale zu zwingen. Auffällig in dieser Passage sind die Aposiopesen, welche durch die Gedankenstriche gekennzeichnet sind, die das Reden von Wurm hektischer erscheinen lässt, sowie die Aufzählung von Wurm.


Der Präsident von Walter ist begeistert von dem Plan: „Gut! Gut! Ich verstehe.“ (S 54, Z. 12) Seine Euphorie zeigt sich durch seine wiederholten Worte „Gut!“.
Wurm benutzt seinen Kalkül zu seinem Vorteil, indem er seine Menschenkenntnis verwendet, um das zu bekommen, was er will. Er benutzt Luises Schwäche für ihren Vater, damit sie sich von Ferdinand trennt, da er sie für sich haben will. Für ihn musst der Plan funktionieren, dieses Verlangen formuliert er selbst: „Es kann nicht fehlen – Es muss in die Falle gehen.“ (S.54, Z.18).


Doch von Walter drückt wieder seine Sorge hinsichtlich des Plans aus, er fürchtet sein Sohn werde auf der Stelle davon Wind bekomme (vgl. S.54 Z.20 f.) und könne noch wütender werden (vgl. S.54, Z.22 f.) Und wieder einmal beschwichtigt Wurm ihn: „Das lassen sie meine Sorge sein […]“ (S.54, Z 21). Er hat vor die Familie „körperlichen Eid“ (S.54, Z.23) schwören zu lassen, der den ganzen Vorgang geheim halte (vgl. S.54, Z. 24 f.).
Der Präsident mischt sich wieder ein. Er stellt die Frage: „Was wird ein Eid fruchten, Dummkopf?“ (vgl. S.54, Z.25 f.).


Der Grund für den Eid, so erklärt er dem Präsidenten, sei, dass ein Eid bedeute zwar ihnen nichts (vgl. S.54, Z. 26 f.), aber „dieser Menschenart“ (S.54, Z.26), damit ist das Bürgertum gemeint. In Wurms Redeteil wird seine Absicht hinter dieser Kabale wieder klar. Er möchte Luise für sich, daher will er ihren Ruf zuerst ruinieren (vgl. S.54, Z.27 f.) und diesen dann durch „[seine] Hand“ (S.54 Z.32), also eine Heirat zwischen sich und Luise, wieder herstellen.

Was in dieser Szene auffällig ist, sind die Redeanteile der beiden Antagonisten. Wurm hat gegenüber dem Präsidenten viel größere Redeanteile, was seine dominierende Rolle während des Gespräches darstellt. Er ist derjenige, der die ganze Kabale schmiedet, während der Präsident lediglich zuhört und ihn einige Male unterbricht. Man kann also sagen, das Wurm die Antworten zu den Fragen des Präsidenten besitzt.
Wurms Überlegenheit zeichnet sich jedoch nicht nur durch den Aufbau aus, sondern auch durch seine Worte. Er scheint sich der Schwächen seiner Gegner bewusst zu sein, was überhaupt dazu geführt hatte, seine Kabale zu schmieden, während der Präsident oft nachfragte, wie er dazu gekommen sei und auch infrage stellte, welchen Nutzen das habe könne.

Diese Szene ist daher von Bedeutung, da sie den Lesern und Zuschauern eine Vorahnung auf die spätere Handlung bietet. Dadurch, dass nun geklärt ist, mit welchen Mitteln man die Liebenden auseinander zu bringen versucht, deutet es auch schon auf die Katastrophe hinaus. Dies führt alles dazu, dass die Spannung steigt.

Schiller verarbeitet hier die Kritik am Adel. Er beschreibt den Hof als intrigant und unmoralisch. Letzteres wird vor allem durch den Eid verdeutlicht, den der Sekretär Wurm Luise aufzwingen will. Wurm selbst erklärt das ein Eid nichts in der höfischen Welt bedeutet, das Bürgertum jedoch nach den Tugenden lebt und nicht gedenkt, diese zu brechen.

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