Georg Büchner Biografie

Georg Büchner Biografie

 

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Büchners Leben

  • Medizinstudium

  • 1834 gab er die illegale Flugschrift „Der hessische Landbote“ heraus

  • 1835: flieht nach Straßburg

  • 1836: Zürich

  • 1837: Tod durch Thypus

 

Woyzeck

  • einfacher Soldat Franz Woyzeck, Freundin Marie, uneheliches Kind → Leben am Rande der Gesellschaft

  • Verdient sich noch Geld zum mageren Sold dazu, indem er den Hauptmann rasiert und als Versuchsobjekt des Doktors dient (Erbsendiät)

  • Hauptmann und Arzt nutzen Woyzeck psychisch und physisch aus

  • Marie beginnt eine Affäre mit Tambourmajor → ertappt beide beim Tanzen im Wirtshaus

  • Er hört Stimmen, die ihm befehlen Marie umzubringen

  • Kauft Messer und ersticht Marie in einem Wald

 

Lenz

  • Der Dichter Jakob Lenz hält sich vom 20.Januer bis 08. Februar 1778 in Waldersbach bei dem Pfarrer Oberlin auf

  • Er litt unter Wahnvorstellungen

  • Sein Zustand besserte sich und er ist zu religiöser Arbeit fähig

  • Sein Zustand verschlechtert sich jedoch wieder (u.a. Besuch Kaufmann, Schuldgefühle wegen verlorener Geliebten Friederike)

  • Es kommt zum Selbstmordversuch und Lenz wird nach Straßburg gebracht

 

Verhältnis von Sprachvermögen und Wirklichkeitswahrnehmung

 

Woyzecks Weg in den Wahnsinn

  • schlechte physische Verfassung durch Erbsendiät

  • Wahnvorstellungen

  • Woyzeck wird von seinen vorgesetzten gedemütigt (dummer, schlechter Mensch)

  • Folge: geringes Selbstwertgefühl

  • Eifersucht auf Marie und Tambourmajor

  • ►► Wahnsinn und Ermordung Maries

 

Sprachvermögen im Woyzeck

restringierter (begrenzter) Code::

elaborierter (ausgearbeiteter) Code:

  • Woyzeck

  • Unterschicht

  • grammatisch einfache und oft unvollständige Sätze (elliptischer Satzbau)

  • Seltener Gebrauch von Nebensätzen; Sätze werden mit einfachen Konjunktionen verbunden

  • starre Auswahl von Adjektiven und Adverbien

  • häufige kurze Befehle und Fragen

  • mehr kontextgebunden

  • Tatsachenfeststellungen werden wie Begründungen verwendet

  • Hauptmann, Doktor

  • Mittelschicht

  • Sätze sind grammatisch sauber konstruiert

  • grammatisch komplexe Satzkonstruktionen mit Nebensätzen und differenzierten Konjunktionen

  • differenzierte Auswahl von Adjektiven und Adverbien

  • großer Wortschatz, Allgemeinbildung, Sprecher geht kreativ damit um

 

 

Woyzeck als Objekt

 

Betitelung der Rollen

  • nicht alle Figuren erhalten Namen

  • viele Rollen werden nur mit ihren gesellschaftlichen Funktionen betitelt → Tambourmajor, Doktor, Hauptmann, etc.

  • wirke nicht menschlich, Schema für Personen dieser Art

 

Woyzecks Schuld und die Determiniertheit des Individuums

  • Unschuldig-Schuldig-Werden

    • Begleitumstände, die einen Menschen in den Abgrund treiben

    • Woyzeck wird von der Gesellschaft gedemütigt und unterdrückt

      • Hauptmann: sagt er sei arm, unmoralisch und dumm + spricht nur in der 3. Person an

      • Doktor: sieht ihn als Versuchsobjekt → zwingt ihn zu einseitiger Ernährung

      • Tambourmajor: kein Respekt, macht ihn privat und öffentlich nieder

      nur Marie gibt ihm Halt und das Gefühl ein wertvoller Mensch zu sein

      Maries Untreue = Halt verloren = Auslöser für den Mord, jedoch nicht Grund

      Grund: Woyzeck kann dem gesellschaftlichen Druck nicht standhalten

      Determiniertheit = unentrinnbares Schicksal

      zusammengesetzt aus körperlichen, geistigen und sozialen Gegebenheiten

       

      Liebe zwischen Woyzeck und Marie

      • 1. Lieben einander, haben ein gemeinsames Kind; Woyzeck tut alles um seiner Familie etwas bieten zu können (3 Berufe)

      • 2. Marie sehnt sich nach etwas besserem, was Tambourmajor ihr bieten kann; Woyzeck verschließt die Augen vor dem offensichtlichen

      • 3. Marie betrügt Woyzeck; Woyzeck erwischt Tambourmajor und Marie beim tanzen

      • 4. Marie empfindet Reue (sucht in der Bibel Vergebung), doch…

      • 5. Woyzeck tötet Marie

       

      Auflösung der klassischen Dramenform

       

      Klassisches Drama (5 Teile)

      1. Einleitung

        1. Erregendes Moment

      2. Steigerung

      3. Höhepunkt

        1. tragisches Moment

      4. Fall/Umkehr

        1. Moment der letzten Spannung

      5. Katastrophe

       

      • Charaktere, keine Charakteristiken

      • Held führt Kampf gegen die widerstrebende Gewalt (als menschliche Gestalt)

      • zwei Gegensätze, die zur Einheit verbunden werden (z.B. Kampf und Gegenkampf, Steigen und Sinken, Binden und Lösen)

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

      Woyzeck ist kein klassisches Drama, weil…

      • ständiger Wechsel von Ort und Zeit

      • keine Exposition (Einführung in die Vorgeschichte der Figuren)

      • keine Aufteilung in Akte

      • kein schematischer Aufbau nach Gustav Freytag (Handlungspyramide)

      • offenes Ende

      • das Drama ist Politik- und Gesellschaftskritisch

      • der Hauptmann ist nihilistisch (glaub nicht an Sinn des Lebens, kann Moral nicht definieren)

      • Woyzeck ist nicht der klassische Held

      • Sprache findet häufig in Alltagssprache statt

      • viele Personen und Nebenfiguren

       

       

       

      offenes Drama

      geschlossenes Drama

      • eindeutige Haupthandlung, eine Szene geht aus der anderen hervor

      • knappe Zeitspanne, nahezu ununterbrochene Zeiterstreckung

      • knappe Ortsspanne, Eindruck von Ortsgleichheit

      • geringe Anzahl von Personen, wenige Nebenfiguren, keine Massenszenen

      • Dialoge bestehen vor allem aus Rededuellen, geschlossene und wohlgefügte Redegebäude

      • schematischer Aufbau nach Gustav Freytag (Handlungspyramide)

      • viele Handlungsstränge

      • weite Zeiterstreckung (mehrere Jahre), häufige Zeitsprünge

      • häufiger Wechsel der Orte

      • niedrige Personen werden zur Hauptfigur, keine zahlen- standesmäßigen Beschränkungen

      • unterschiedliche Sprachstile

      • keine Akteinteilung

       

       

      Büchners politische Intentionen

      • Welt ist im Gewaltzustand; es herrschen schlechte politische Verhältnisse

      • Volk erkennt unterdrückte Position nicht

      • Großer Unterschied zwischen Arm und Reich → keine Chancengleichheit

      • Arme arbeiten zum Wohl der Reichen

      • Mehrheit lebt in Armut

      • ruft zur Revolution auf, die Herrschaft der Fürsten ist nicht gottgewollt

      • kritisierte die Ständegesellschaft, wollte die Menschen aufrütteln → Revolution nach französischem Vorbild

      • Ziel: gesellschaftliche, politische und geschichtliche Missstände aufzeigen

      • kritisiert die Herrschaft des Adels über das Volk und ruft im HL zur Veränderung auf

      • Bsp. in Woyzeck: kritisiert die Haltung vom Doktor/Hauptmann gegenüber Woyzeck

       

      An die Braut (Fatalismus – Brief)

      • Fatalismus – Gedanken: Weltanschauung bei der alles vom Schicksal bestimmt ist

      • berichtet auch über psychische Krise, die sich mit den Symptomen von Lenz vergleichen lassen

      • frustriert, Gefühl der Ausweglosigkeit

      • → „Ich fühle mich wie zernichtet unter dem gräßlichen Fatalismus der Geschichte

       

      Der hessische Landbote

      • gerichtet an die hessische Landbevölkerung

      • Gesellschaftsordnung wird angeprangert:

      • fortlaufender Kontrast der Armen und Reichen im Großherzogtum

      • Ursache: vom Gesetz vorgegebene Ausbeutung der Armen

      • Inhaltlicher Aufbau: Beschreibung der Zustände (Steuerverteilung, Ausbeutung, Unterdrückung) – Ideal/Alternative der Französischen Revolution – „Freistaat“ soll entstehen

      • Flugblatt soll das Volk von einer Revolution und Aufstand gegen das Großherzogtum Hessen auffordern

      • sprachlich/stilistisch: Vergleiche mit Schöpfungsgeschichte aus der Bibel (sind Bauern und Handwerker am gleichen Tag wie die Tiere geschaffen worden?), viele Metaphern, Ironie, Personifikation, Aufzählung, Verdeutlichung der Ausbeute an Hand von Zahlen (Statistiken über Steuern)

      • Motto: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“

       

      Ich- und Wirklichkeitszerfall bei Lenz

       

      Symptome von Lenz’ Wahnsinn

      • Rückzug aus der Gesellschaft in die Abgeschiedenheit des Steintals

      • Angstgefühle

      • Stark schwankende Naturwahrnehmung

      • Stark schwankende Gefühlswahrnehmung

      • Gestörte Realitätswahrnehmungen / Wahnvorstellungen

      • Gefühl der Zerrissenheit

      • Zunehmende Isolation

      • Selbstmordversuche

      • Existenzielle Langeweile

      • Seelisch – geistige Leere

       

      Mögliche Ursachen:

      • Enttäuschtes Lebensverhältnis zu Friederike

      • Konflikt mit dem Vater

      • Anforderungen der Gesellschaft

      • Verlust religiöser Sicherheit

      • Einsamkeit

       

      Auslösendes Moment:

      Zusammentreffen mit Kaufmann: Lenz zollte im Steintal zu sich selbst finden. Mit dem Besuch des Kaufmanns wird die Vergangenheit lebendig und die Erwartungen der Natur werden wieder manifest. Die mühsam wieder gefundene Balance geht verloren.

       

      Büchners Kunstauffassung

       

      Brief an die Familie

      • Büchner schreibt über seine Auffassung von dem dramatischen Dichter, dem Geschichtsschreiber und dem Idealdichter

      • Er lässt erkennen, dass er den dramatischen Dichter, sowie Shakespeare und Goethe favorisiert (stellen alles real dar) und den Idealdichter, sowie Schiller, ablehnt.

       

      Dramatischer Dichter

      Geschichtsschreiber

      Idealdichter

      • ähnlich wie Geschichtsschreiber

      • erschafft Geschichte ein zweites Mal

      • Macht alte Geschichten lebendig

      • reale Erzählung

      • reale (evtl. obszöne) Sprache

      • Keine Ausrichtung nach Moral

      • trockene Erzählung

      • Charakteristiken

      • Beschreibungen

      • Darstellung der historischen Wirklichkeit

      • zeigt die Welt, wie sie sein sollte

      • Marionette der Regierung

      • will die Welt besser darstellen, als Gott sie geschaffen hat → stellt sich in gewisser Weise über Gott

       

      Die künstlerische Auffassung Büchners

      • Er will die Welt/Natur zeigen wir sie wirklich ist.

      • Zitat: „Der liebe Gott hat die Welt wohl gemacht wie sie sein soll, und wir können wohl nicht was Besseres klecksen.“

      • Idealismus ist eine Verachtung der Menschen

      • Er mag Shakespeare und Goethe, da diese im Gegensatz zu Schiller realistisch schreiben.

      • Büchner ist Realist!

      • Lenz ist „Sprachrohr“ von Büchners Intentionen (vgl. Kunstgespräch)

       

      Die religiöse Auffassung Büchners:

      • Büchner glaubt an die Determiniertheit, dass heißt dass der Mensch in Bestimmtheit oder Abhängigkeit des (unfreien) Willens von inneren oder äußeren Ursachen (Ständegesellschaft) steht.

      • Büchner zeigt den Atheismus, den er auch selber vertritt, in den Hauptpersonen seiner Dramen Lenz und Woyzeck auf.

      • Leiden der Menschen als Beleg für die Abwesenheit Gottes.

       

       

       

       

       

      Das Kunstgespräch

      • Der Kaufmann (alter Freund von Lenz) besucht ihn und den Pfarrer Oberlin im Steintal → kommt zum Gespräch über Kunst

      • Kaufmann ist Anhänger des Idealismus, der gerade anfing

      • Lenz grenzt sich vom Idealismus ab

      • Idealismus = Versuch Gottes Schöpfung noch übertreffen zu wollen (sagt Lenz)

      • Kunst unterscheidet nicht zwischen schön und hässlich, sondern stellt sie Möglichkeit des Daseins dar

       

       

       

       

       

       

      Vergleich Büchner –

      Lenz

      • gegen die idealistische Kunst

      • verliert Glauben an das Gute (die Welt ist schlecht)

      • aus politischen Gründen (H.L.) in Hessen steckbrieflich gesucht, deshalb führt er ein Leben außerhalb seiner Heimat

      • Probleme mit dem Vater (politisches Engagement)

      • schreiben als Ventil

      • psychisch labil

      • gegen die idealistische Kunst

      • verliert Glauben an Gott und das Gute

      • aus privaten (psychologischen) Gründen außerhalb seiner Heimat

      • Probleme mit seinem Vater (unterschiedliche Lebensplanung)

      • Lenz blüht im Schreiben auf

      • psychisch labil

       

      Verbindung zwischen Lenz und Büchner

       

      Wichtige Epochen

       

      Vormärz/ Das junge Deutschland

      • Der Begriff „Vormärz“ steht als Sammelbegriff für die Zeit zwischen 1830 und 1850, in der viele Literaren mit politischer Intention schreiben.

      • Diese Autoren wurden unter dem Begriff „junges Deutschland“ zusammengefasst.

      • Sie stehen für: die Ablehnung des absolutistischen Staates + der dogmatischen Kirche, Überwindung moralischer Konventionen, Meinungsfreiheit, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Emanzipation der Frau.

      • überwiegend journalistische, propagandistische oder literaturkritische Texte

      • Ihre Schriften wurden häufig verboten

       

      Sturm und Drang (1767 – 1785)

      • auch „Geniezeit“

      • Geniebegriff: Vollendung des naturhaften Individuums

      • fordern nach dem Recht des Gefühls, des Triebs und der Spontaneität

      • Freiheit für den produktiven Geist

      • gegen soziale Unterdrückung und Willkürherrschaft

      • Vergötterung der Natur

      • literarische Technik: vorzugsweise persönliche Erlebnisse verarbeitet, gefühlvolle Sprache mit lebendig wirkenden Verben

      • der reale Lenz hatte die gleiche Auffassung wie Sturm und Drang

       

      Erzähltechnik „Lenz“

      Erzählform: Er – Form

      Erzählstandort: limitierter Standort

      Erzählperspektive: Innensicht Lenz, Außensicht Rest

      Erzählverhalten: neutrales Erzählverhalten

      Erzählhaltung: neutral

      Darbietungsarten: Monologe, Dialoge, Erzählbericht

      Erzählzeit: 1 Tag

      Erzählte Zeit: 23 Tage

      Zeitdeckung: Nein

      Zeitraffung: Ja

      Zeitdehnung: Nein

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