Analyse zu Die Verwandlung von Franz Kafka

Arbeitsauftrag: 
Analysieren Sie den vorliegenden Textauszug unter Berücksichtigung des wekimmanenten,
psychoanalytischen und biografischen Deutungsansatzes.

Auszug aus " Die Verwandlung" von Franz Kafka (Schöningh, S.40, Z.8 - S. 41, Z. 32)

(Auszug kann wegen Copyright nicht zitiert werden)

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Die Verwandlung – Analyse der Textstelle

Der vorliegende Textauszug aus Franz Kafkas Erzählung "Die Verwandlung", erschienen im Jahr 1915,
handelt von der Begegnung zwischen den Protagonisten Gregor und seinem Vater und thematisiert 
den von Beiden ausgeübten Konkurrenz Konflikt.
Kafkas Erzählung zeichnet sich durch ihre Deutungsoffenheit aus, bei der die Verwandlung Gregors 
in ein Ungeziefer auf verschiedene Arten ausgelegt werden kann.
Inwiefern sich mit Bezug auf die untersuchende Textstelle sowohl Ansatzpunkte für werkimmanente 
als auch psychoanalytische und biographische Deutungsansätze bieten, ist im Folgenden Gegenstand
der Analyse.
Der vorliegende Textauszug ist in den späteren Teil der Erzählung einzuordnen.
Unmittelbar zuvor wurde Gregors Zimmer von der Schwester Grete und der Mutter ausgeräumt
und Gregor versuchte zu fliehen.
Im Anschluss daran stirbt Gregor an der Verletzung, die ihm sein Vater, durch das werfen eines Apfels, 
zuführen wird.

Das Geschehen wird ausschließlich aus der Perspektive Gregors wahrgenommen und bleibt
durch die subjektive Wahrnehmung beschränkt.
Durch das personale Erzählverhalten und die erlebte Rede, wie auch der innere Monolog,
wird beim Leser das Gefühl erzeugt, dass man persönlich am Geschehen teilnimmt und somit sich
in die Figur Gregors hineinversetzen vermag.

Eingeleitet wird die Situation jedoch unvermittelt durch die direkte Figurenrede des Vaters.
Dieser stürzt beim eintreten des Flurs mit einem drohenden Ausruf auf Gregor zu.
Die Verknüpfung aus der Interjektion und des Exclamatios "Ah!" (Z.1) unterstreicht seine neu 
gewonnene Energie und lässt darauf deuten, dass der Vater sich gefangen hat und sich wieder
in die Rolle des Oberhaupts der Familie versetzt.
Dieses Verhalten scheint Gregor zu erstaunen, denn anstatt sich wie gewohnt zu verstecken,
wenn jemand in der Nähe ist, hebt er den Kopf und schaut zu seinen Vater ( Vgl. Z. 2f.).
Bemerkenswert ist auch, dass Gregor das Verhalten des Vaters mit den Adjektiven "wütend und froh"
(Z.2) bezeichnet.
Dieses Oxymoron deutet darauf hin, dass der Vater noch unentschlossen, im Bezug seines Vorhabens,
ist.
Dies und die Haltung des Vaters ist in Gregors Perspektive untypisch und schafft Verwirrung,
weshalb Gregor wahrscheinlich auch nicht flüchtet.
Die Alliteration "veränderte Verhältnisse" (Z. 7) unterstreicht die nicht bemerkte Offensichlichkeit
der Verwandlung des Vaters und verstärkt die Furcht von Gregor.
Die Dynamik dieser lebensbedrohlichen Situation wird auch durch die fast stotternd wirkende
Repetitio von "trotzdem" innerhalb einer rhetorischen Frage (Z.7) und nicht zuletzt durch die
erlebte Rede nocheinmal unterstrichen.
Gregor fragt sich verwundert, ob sein Vater noch der "gleiche Mann" (Z.8) ist, wie aus der Zeit
vor der Verwandlung.
In der Erinnerung an den Vater assizoiert er diesen ausschließlich mit Begriffen aus den Wortfeldern,
die an einen gebrechlichen alten Pensionär denken lassen.
Adjektive wie "müde; vergraben" (Z.8) Substantive wie "Schlafrock; Lehnstuhl; Spaziergänge; 
alten Mantel; und Krückstock" (Z. 10 ff.) und Verben wie "lag; stillstand" (Z.8;16) erwecken
den Eindruck, dass der Vater hilfsbedürftig und somit abhängig von seiner Familie war.
Das Temporaladverb "nun" (Z. 18) kennzeichnet deutlich, dass sich im Hier und Jetzt, also
nach der Verwandlung, die Verhältnisse augenscheinlich verändert haben.
Im Kontrast zu der kläglichen Gestalt des Vaters in Gregors Erinnerungen steht nun ein gemachter
Mann in "Uniform" (Z.18). 
Der Vater strahlt Vitalität aus, was durch den Vergleich "wie sie Diener der Bankinstitute tragen" (Z.19),
der Alliterationen "Goldknöpfen gekleidet" (Z.19) und "...sich sein starkes.." (Z.20), wie auch die
Tautologie "frisch und aufmerksam" (Z.21 f.) besonders betont wird.
Aus der Perspektive Gregors wirkt dieser nun stark und einschüchternt.
Darauf lassen vor allem die Umschreibungen wie "recht gut aufgerichtet" (Z.18), "drang der Blick
der schwarzen Augen" (Z.21) und "peinlich genauen, leuchtenden Scheitelfrisur" (Z. 22f.) schließen.
Anschließend geht der Vater auf Gregor zu.
Die Parenthesen "die Enden seines..., die Hände in den Hosentaschen" (Z. 24 ff.) betonen wie 
hin und hergerissen der Vater mit seiner Entscheidung ist etwas gegen Gregor zu unternehmen.
Das Adjektiv "verbissenem" (Z.26) unterstreicht nochmals den Kampf des Vaters mit sich selbst.
Aus der Perspetive Gregors scheint nun der Vater im Vergleich zu Gregor ziemlich groß zu sein 
und deutet die Gangart des Vaters damit, dass er selbst nicht wüsste "was er vor hatte" (Z.27).
Das Oxymoron "ungewöhnlich hoch" (Z. 27) veranschaulicht den Größenunterschied zwischen
Vater und Sohn und wird nochmals durch die Allegorie, wie auch Hyperbel, "Riesengröße" (Z.28)
untermauert.
Seit der Verwandlung zu einem Ungeziefer wundert sich Gregor nicht lange über das Auftreten des
Vaters (Vgl. Z. 28 ff.).
Das Paradoxon "seines neuen Lebens" (Z.29) verdeutlicht, dass die Verwandlung Gregors nicht 
nur eine Verwandlung für ihn war, sondern eine Widergeburt in einen neuen Körper.
Die Strenge des Vaters gegenüber zu Gregor ist im Superlativ "größte" (Z.30) ausgedrückt.
Daraus lässt sich die Konkurrenz zwischen den Beiden als eine große Feindschaft deuten.
Die Verwandlung ist also ein Wendepunkt in Gregors Leben, indem er augenscheinlich 
seine Eigenschaften,- diszipliniert, stark und Hauptverdiener der Familie-, mit denen des Vaters,-
unbeweglich, eingeschüchtert und schwach-, unfreiwillig tauschte.
Anschließend entwickelt sich die Einschüchterung Gregors zu einer todes Angst (Z. 30 f.).
Gregor versucht sich zurückzuziehen, doch der Vater schneidet ihm längere Zeit die Fluchtwege ab,
womit er die Machtverhältnisse klarstellt (Vgl. Z. 30-35).
Die umgedrehte Klimax "lief; stockte; stehen blieb" (Z.31) erinnert an den gebrechlichen
und langsamen Vater vor der Verwandlung und kann deshalb als Racheakt des Vaters gedeutet 
werden und untermauert den Wechsel der Eigenschaften.
Der Vater spielt anscheinend mit Gregor und genießt es offenbar, da er nichts weiteres unternimmt als
ihm Angst zu machen (Z.33).
Gregor unterwirft sich seinen Vater, da er nicht versucht zu fliehen (Z. 35 ff.).
Dies erinnert an eine Beziehung zwischen einen Menschen und einen Hund, wobei der Hund 
den Menschen als Alphatier anerkennt, unteranderem weil der Mensch die Futterquelle ist.
Durch die Größenverhältnisse ermüdet Gregor recht schnell, weshalb er keine lange Zeit flüchten 
kann (Vgl. Z. 37-42).
Der Paralellismus "einen Schritt machte; .. Unzahl an Bewegungen ausführen" ( Z. 39f.) verdeutlicht
nochmals das Größenverhältniss.
Anschließend entschließt sich der Vater Gregor mit Äpfeln "zu bombadieren"(Z. 47 f.).
Das Verb "dahintorkelte" (Z. 42) assoziiere ich mit einem Betrunkenen, was die ermüdete Bewegung
Gregors veranschaulichen soll.
Die Tautologie "Zacken und Spitzen" (Z. 44) kann man ebenfalls als Metapher für einen Burggraben
einer mittelalterlichen Burg deuten. 
Die Wand als Burg, die Sicherheit bietet, und die spitzen Möbel als unüberwindlichen Burggraben,
der ihn den Weg verspärt.
Das dazugehörige Verb "bombadieren" (Z. 48) ist ebenfalls aus diesem Wortfeld und veranschaulicht 
das Apfelwerfen als eine Art Schlacht, in der unteranderem mit Katapulten die Burg bombadiert 
wurde und somit metaphorisch Gregors Königreich und seine Macht zerstörte.

Der textimmanente Deutungsansatz lässt die Frage in den Mittelpunkt rücken, auf welche Art und Weise
die Figuren der Erzählung die Verwandlung deuten.
Für den analysierten Textausschnitt lässt sich hierzu festhalten, dass der Vater, erst hin und hergerissen
und später entschlossen, die Verwandlung Gregors in ein Ungeziefer nicht mehr als seinen Sohn 
anerkennt und ihn deshalb tötet.
Gregor hingegen akzepiert zum Ende die Verwandlung, ohne Hoffnung auf Besserung, und ist
sich dieser bewusst und deutet diese als eine Art Neugeburt.

Neben den textimmanenten Zugang, wird "Die Verwandlung" oftmals auch aus biografischer Perspektive
gedeutet.
Angenommen wird dann, dass Kafka sich mit dem Protagonisten Gregor identifiziert und 
"Die Verwandlung" als eine Art Antwortbrief gedeutet wird, der an den Vater gerichtet ist,
um die Unterdrückung und die Erziehung Kafkas zu kritisieren.

Eine weitere Zugangsmöglichkeit eröffnet der psychoanalytische Ansatz.
Dieser stellt, ausgehend von Freuds Theorie des Ödipus-Komplex, den Konflikt zwischen 
Vater und Sohn in den Mittelpunkt. 
In Anwendung auf den Textausschnitt ist dieser ähnlich wie beim psychoanalytischen Zugang und
beinhaltet zudem eine sexuäle Zuneigung Gregors zu seiner Mutter und an vorherigen Textstellen auch
zur Schwester Grete.
Indemfall wird das Augenmerz auf den Konkurrenzkampf zwischen Vater und Sohn gelegt, die um die 
Begatung der Frau kämpfen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass differente Deutungsansätze jeweils andere Aspekte des 
literarischen Textes in den Blick nehmen.
Eine Übertonung des biographischen Ansatzes beispielsweise birgt die Gefahr, dass man Kafka in allen 
Textstellen mit Gregor identifiziert und somit seine eigene Bandbreite der Deutungen verschmälert.
Dadurch wird es schwierig alle Deutungen zu belegen, da nicht klar ist inwiefern die Erzählung
mit der tatsächlichen Biographie übereinstimmt.
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