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Archiv für die 'Die Räuber' Kategorie

Charakterisierung Karl Moor Die Räuber

Mittwoch 9. Januar 2008 von Kevin

 

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Charakterisierung Karl Moor

Karl Moor ist die Hauptperson dieses Dramas und kommt in Akt I, Szene 2 zum ersten Mal vor.

Er ist der erstgeborene Sohn von Maximilian von Moor, ist somit Franz ältere Bruder und der Geliebter von Amalia.

Das Aussehen von Karl wird nicht geschildert. Man weiß nur, dass er schöner ist als Franz.

Karl ist Franz Rivale, dadurch dass er der Liebling des Vaters, Geliebter von Amalia und alleinige Erbe von Vermögen und Thron ist.
Franz beschreibt Karl in Akt I, Szene 1 als eine Person, die eine ablehnende Haltung gegenüber Gesellschaft und Kirche hat („(Karl mied) den Anblick der Kirche, wie ein Missetäter das Gefängnis“ (S. 13; Z. 21-22), „(Karl las) die Abenteuer (…) stockfinsteren Heiden lieber (…) als die Geschichten des bußfertigen Tobias“ (S. 13, Z. 25-28), „Das Gesetzt hat noch keinen großen Mann gebildet“ (S. 23, Z. 15-16) und „(Die Gesellschaft klatscht) in die Hände, wenn ihr Nebenbuhler bankrott von der Börse geht“ (S. 23, Z. 5-6)).
Obwohl er adlig ist, ist er nicht überheblich. Er spielte als Kind mit den Kindern aus dem Dorf: „(Karl), noch ein Knabe, (hetzte) mit Gassenjungen und elendem Gesindel auf Wiesen und Bergen sich herum“ (S. 13, Z. 18-21).
Er ist edel, barmherzig und liebevoll, denn er gibt Bettler Geld: „(Karl warf) die Pfennige (…) dem ersten dem besten Bettler in den Hut“ (S. 13, Z. 22-23).
Er scheint gebildet, da er viele Geschichte aus der Antike liest und studiert: „…er (las) die Abenteuer des Julius Cäsar und Alexander Magnus und anderen…“ (S. 13, Z. 25-26).
Weitere Eigenschaften sind: „Offenheit“ (S. 14, Z. 4), ein „feuriger Geist“
(S. 14, Z. 2), „Weichheit des Gefühls“ (S. 14, Z. 5), „männliche(r) Mut“
(S. 14, Z. 7), „kindliche(r) Ehrgeiz“ (S. 14, Z. 9) und „unüberwindliche(r) Starrsinn“ (S. 14, Z. 10).
Außerdem ist er ein Mensch, der sehr Emotional und überheblich ist. Er überlegt nicht, wie er aus schwierigen Situationen herauskommt und was vielleicht dahinter steckt.
Er ist bestrebt nach Freiheit („…die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus.“ (S. 23, Z. 16-17)).
 In Akt I, Szene 2 kretisiert er scharf die Gesellschaft, die Kirche, Justiz und die Feudalherrschaft. Jedoch folgt auf seine Kritik kein Handeln.
Diese ganzen Eigenschaften machen Karl zu einem aufgeklärten Menschen.
Durch die Intrige von Franz verstößt der Vater Karl. Karl, der wirklich vorher ein Brief, in den jedoch weit weniger schlimmeren Taten steht, an seinen Vater schrieb, wartete auf eine Antwort und Vergebung. Karl, der nicht mit einer Verstoßung rechnete, verzweifelt.
Karl gründet daraufhin eine Räuberbande und wird Hauptmann.
Er handelt aus getränktem Stolz und privater Hilflosigkeit heraus. Dies merkt man sehr in dieser Aussage: „Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen lehren, dass mir jemals etwas teuer war!“ (S. 36, Z. 26-28). Karl wandelt sein selbst widerfahrendes Unrecht in gesellschaftliches Unrecht um, genauso wie sein Bruder Franz. Da Karl aus verletztem Stolz und nicht aus der politische Idee oder Überzeugung handelt, ist er kein politischer Rebelle.

In Akt II, Szene 3 erkennt man, dass in der Räubergruppe Spiegelberg das Gegenteil von Karl ist. Spiegelberg ist ein brutaler Räuber, der in Akt II, Szene 3 über einem Überfall eines Nonnenkloster stolz berichtigen.
Razmann, ein Mitglied der Räuberbande, erläutert Karls Räuberdasein: „(Karl) mordet nicht (…) wie wir (wegen) dem Geld (…), und selbst sein Dritteil an der Beute (…) verschenkt er an Waisenkinder, oder lässt damit arme Jungen (…) studieren.“ (S. 64, Z. 21-26).
Dieses positive Bild von den Räuberhauptmann Karl Moor wird im Gespräch zwischen Karl und den Pater noch mal verdeutlich. In diesem Gespräch rechtfertigt er seine Verbrechen. Karl erzählt, dass er Adlige, die sich Ämter erschwindeln oder verkaufen, bestechliche Minister oder verlogene Kirchliche, bestraft. Karl konfrontiert diese Adligen mit ihre Verbrechen und bestraft diese mit den Tod: „…diesen Rubin zog ich einen Minister vom Finger, den ich (…) niederwarf. Er hatte sich (…) emporgeschmeichelt (…). Diesen Demant zog ich einen Finanzrat ab, der Ehrenstellen und Ämter an die Meistbietenden verkaufte und den traurenden Patriot vor seiner Türe stieß. – Diesen Achat (gehörte ein Kirchlich, der meint,) dass die Inquisition so in Zerfall käme“ (S. 77, Z. 8-18).
Er zählt zudem die Verbrechen des Christentums auf, wodurch man noch mal seine Ablehnung an die Kirche merkt: „(Die Prediger) bringen dem Gott der Liebe Menschenopfer (…) predigen Liebe des Nächsten, und fluchen den achtzigjährigen Blinden von ihren Türen hinweg; (…) haben Peru um goldener Spangen willen entvölkert und die Heiden wie Zugvieh vor ihre Wagen gespannt“ (S. 77, Z. 30-36) und „(Ihr Kirchlichen seit) Falschmünzen der Wahrheit, (…) Affen der Gottheit“ (S. 78, Z. 2-3).
Karl erscheint als ehrenvoller Räuber.

Nachdem Kosinsky in die Bande eintritt und seine Lebensgeschichte, die Karls ähnelt, erzählt, erinnert sich Karl an seine Liebe zu Amalia. Durch die Liebe zu Amalia schöpft Karl die Kraft den Entschluss zu fassen in die Heimat zurück zukehren und vergisst den Racheschwur gegenüber seinem Vater.
In der Heimat entlarvt Karl die Intrigen seines Bruders, da er sein Vater, der im Wald in einem Turm eingesperrt ist, findet. Sein Drang nach Gerechtigkeit bleibt. Er schwört Rache und will über seinem Bruder richten: „Rache, Rache, Rache dir! (…) (Ich schwöre) das Licht des Tages nicht mehr zu grüßen, bis des Vatermörders Blut, vor diesem Steine verschüttet, gegen die Sonne dampft.“
(S. 124, Z. 36 bis S. 125, Z. 14) und „Ganz muss ich ihn (= Franz) haben, und wenn du (= Schweizer) ihn ganz und lebendig bringst, so sollst du eine Million zur Belohnung haben…“ (S. 126, Z. 22-23).
Er kann jedoch nicht über Franz richten, da Franz vorher Selbstmord begeht. Karl ist jedoch nicht wütend, sondern eher erleichtert nicht der “Richter“ sein zu müssen.

Nach den Tot von Franz erzählt Karl sein Vater schonungslos, dass er der tot geglaubte Sohn und Räuberhauptmann ist. Für den Vater ist es ein zu großer Schock und er stirbt.
Karl beendet so Franz Plan den Vater durch psychische Gewalt umzubringen.
Man erkennt die Parallelität der beiden Brüder.

Es scheint als würde Karl auch eine Person sein, die ein hoher Besitzanspruch hat, denn er tötet Amalia mit den Worten: „Moors Geliebte soll nur durch Moor sterben“ (S. 147, Z. 9-10).

Er liefert sich selbst aus, obwohl er selber das Rechtssystem kritisiert. Er scheint eine wechselhafte Meinung zu haben. Hier erkennt man aber auch den Widerspruch des Dramas.

 

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Zusammenfassung / Inhaltsangabe Die Räuber Friedrich Schiller

Mittwoch 9. Januar 2008 von Kevin

 

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Zusammenfassung / Inhaltsangabe Die Räuber

 

Das Drama „Die Räuber“ von Friedrich Schiller, erschienen 1781, beschreibt den Zerfall bürgerlicher Tugenden anhand der Geschichte des Grafen von Moor und seinen zwei Söhnen Karl und Franz. Karl, der Erstgeborene, welcher sich gerade in Leipzig befindet, um zu studieren, bekommt vom Vater mehr Liebe entgegengebracht als Franz. Franz dagegen ist nicht nur vom Erbe ausgeschlossen, da er „nur“ Zweitgeborener ist, sondern bekommt vom Vater kaum Liebe entgegengebracht und ist das genaue Gegenteil seines Bruder.
Der Liebesdefizit vom Vater, die Eifersucht auf Karl und die Gier nach dem Erbe seines Vaters, bringen Franz dazu, zuerst einen Brief von seinem Bruder an seinen Vater zu schreiben, um ihm mitzuteilen, dass er sich einer Räuberbande anschgeschlossen habe und danach seinem Bruder einen Brief geschrieben hat, der ihm mitteilen soll, dass sein Vater ihn nicht mehr sehen will. Franz wird somit zum Erben des alten Moor.
Karl ist über diese Nachricht so entsetzt, dass er sich leicht von Spiegelberg, einem Studienkollegen, zur Gründung einer Räuberbande überreden lässt. Von seinen Gefährten wird er zum Hauptmann der Gruppe gewählt.
Nun hat Franz vor auch seinen Vater aus dem Weg zu räumen, um endlich an dessen Erbe zu gelangen. Zu diesem Zweck besticht er den Diener Hermann, sodass dieser in Verkleidung eines Freundes von Karl, dem alten Moor die Nachricht vom Tod seines Sohnes überbringt. Außerdem lässt er seinem Vater ein Schwert übermitteln auf dem mit Blut geschrieben steht, dass Franz für Amalia sorgen solle.
Den alten Moor treibt der Gedanke, seinen eigenen Sohn ins Unglück gestürzt zu haben, in die Ohnmacht und er wird fälschlicherweise für tot gehalten und im Mausoleum seiner Ahnen eingesperrt und dem Hungertod überlassen.
Zu dem Zeitpunkt ist Karl´s Räuberbande eine der gefährlichsten in Deutschland. Sogar die böhmischen Soldaten vermögen nicht, die Bande gefangen zu nehmen.
Franz, der nun als Alleinerbe die gesamten Güter des alten Moor führt, will Amalia zur Frau, doch diese weist ihn kalt zurück.
Hermann bereut seine Tat so sehr, dass er Amalia gesteht, dass der alte Moor und Karl noch am Leben sind.
Karl beschließt verkleidet zu Franz zu gehen und sich über Amalias Befinden zu erkundigen, nachdem der Fremde Kosinsky zu der Räuberbande stieß und ihnen seine Geschichte erzählte, welche der von Karl sehr ähnelte und ihn an seine Verlobte Amalia und seinen Vater erinnerte.
Als er im moorischen Schloss ankommt, erkennt ihn Franz trotz seiner Verkleidung. Er erteilt dem Diener Daniel den Befehl Karl umzubringen. Dieser aber erkennt Karl und erzählt ihm, was vorgefallen ist. Karl kehrt sehr erzürnt in die Wälder zurück, wo er Hermann, während er dem alten Moor mit Essen versorgt, findet. Er befreit den alten Moor ohne ihm seine Identität preiszugeben.
Er beschließt seinen Vater zu rächen und bittet Schweizer, Franz lebendig zu ihm zu bringen.
Währenddessen ist Franz, aufgrund eines Traumes, in dem er sich vor Gott als Vatermörder zu rechtfertigen hatte, sehr aufgebracht und lässt nach einem gotteslästerlichen Gespräch mit Daniel den Pastor schicken. Nach einer Unterredung mit dem Pastor und der, zu späten, Einsicht etwas falsch gemacht zu haben, wird die Stadt von den Räubern angegriffen und in Brand gesteckt. In Todesangst erwürgt sich Franz selbst, Schweizer der verzweifelt darüber ist, dass er dem Auftrag Karls nicht nachkommen konnte, folgt ihm sogleich in den Tod, indem er sich erschießt. Als Karl die Nachricht vom Tod seines Bruders überbracht wird, gibt er sich vor seinem Vater als Karl zu erkennen. Der alte Moor stirbt, weil er es nicht mehr verkraften kann.
Aufgrund eines Treueschwurs ist es Karl nicht möglich, die Bande zu verlassen, um bei Amalia zu bleiben. Amalia will nicht mehr leben und bittet Karl sie umzubringen, der dieser Bitte nachkommt und sie ersticht.
Als gebrochener Mann liefert sich Karl dem Gesetz aus.

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Interpretation zu die Räuber von Friedrich Schiller

Sonntag 2. September 2007 von Kevin

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Interpretation zu die Räuber von Friedrich Schiller

Schiller will mit seinem Drama „Die Räuber“ die Freiheit der Seele, jedes Individuums anstreben. Das sieht man vor allem an den Charakteren, wie zum Beispiel Karl, der durch die eigene Freiheitsbestrebung zum Räuber geworden ist, jedoch auch durch äußere Einflüsse, wie den Brief oder die Überredung durch seine Kumpane zu dem Entschluss kam, eine Räuberbande zu gründen. Doch Karl wird immer mehr in die Tiefe gezogen, und muss seine Freiheit mit immer mehr Blutvergießen bezahlen, was ihn vor allem nach dem Überfall auf die Stadt klar wird, als er auf sich selbst schimpft: „o pfui über den Kindermord! Den Weibermord! – den Krankenmord! Wie beugt mich diese Tat! Sie hat meine schönsten Werke vergiftet“ (2. Akt, 3. Szene; S. 72, Z. 7 – 10) und merkt erst am Schluss, dass er durch seinen „Posten“ als Hauptmann nicht so frei ist wie er glaubt. Vor allem durch das Versprechen, „Bei den Gebeinen meines Rollers! Ich will euch niemals verlassen.“ (3. Akt, 2. Szene; S.88, Z. 32/33), bindet er sich an die Räuber und opfert am Ende sogar seine Amalia für diese „Freiheit“, doch er liefert sich am Ende selbst dem Gesetz aus.
Auch bei Franz kann man erkennen, dass er nach persönlicher Freiheit strebt. Doch unterscheidet sich der Weg zu seiner Freiheit, von Karls Weg. Der Drang nach Genugtuung und Freiheit wird durch die Benachteiligung seines Vater, ihm gegenüber noch verstärkt und er versucht das Erstgeborenen-Recht außer Kraft zu setzen, indem er seinen Bruder, durch einen Betrug, das Erbrecht enzieht. Er nimmt sich das Recht, über die Natur zu entscheiden, da er „große Rechte“ habe „über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre! Ich will sie geltend machen“ (1. Akt, 1. Szene; S. 19, Z. 3 – 4). Er erklärt damit, dass auch er ein Recht auf persönlicher Entfaltung und Freiheit hat. Für ihn hat jeder Mensch „gleiches Recht zum Größten und Kleinsten…“ (1. Akt, 1. Szene; S.19, Z. 23), denn für Franz gilt das Recht des Stärkeren „Das Recht liegt beim Überwältiger, und die Schranken unserer Kraft sind unsere Gesetze“ (1. Akt, 1. Szene; S. 19; Z. 25 – 26).

Außerdem lässt sich erkennen, wie kritisch Schiller damals dem Adel gegenüber gestanden haben muss, da er selbst Probleme mit ihnen hatte und ihm die Ungerechtigkeit der Regierungsform sehr missfiel. Der Hauptcharakter, Karl, tötet außerdem nur die Adeligen, die ungerecht und willkürlich herschen aber überlässt das Plündern seinen Kumpane. Da Schiller zu der Zeit, als er „Die Räuber“ schrieb, ebenfalls Probleme mit dem Adel, in dem Fall, mit Herzog Karl Eugen, hatte, da er ihn gegen seinen Willen in eine Militärakademie steckte, wird klar, dass Schiller sich selbst, mit Karl darzustellen versucht. Außerdem wird mit dem Monolog aus dem 1. Akt, 1. Szene von Franz dargestellt, welche Rolle die Bürger und welche der Adel spielt. Schiller bezeichnet dabei den Pöbel als „armer Hase“, welcher eine „jämmerliche Rolle“ besitzt „auf dieser Welt – Aber der gnädige Herr braucht Hasen“ (1. Akt, 1. Szene; S. 20, Z. 7 – 9). Damit will er ausdrücken, dass der Adel ohne den Pöbel nicht überleben könnte und das der Adel deswegen „den Pöbel unter dem Pantoffel“ halten muss, um „es desto bequemer zu haben“ (1. Akt, 1. Szene; S. 19, Z. 36 – 37). Dadurch versucht er dem Pöbel aufzuzeigen, dass sie betrogen und belogen werden und sich zusammen gegen die Obrigkeit verbünden müssen.

Die korrupte Obrigkeit der Kirche wird anhand von der Auseinandersetzung Karls mit dem geifernden Pater kritisiert. So erlässt die Kirche, der gesamten Räuberbande „die Strafe eurer Greuel bis auf das letzte Andenken“, wenn sie ihren „verurteilten Missetäter (Karl) gebunden überliefern“ (2. Akt, 3. Szene; S. 78, Z. 28 – 30)“. Die Kirche maßt sich dabei an, frei über Gottes Willen entscheiden und die Gerechtigkeit, genauso wie die absoluten Herrscher, ausschalten zu können. Schiller zeigt auch auf, wie gläubig und christlich die Kirche nach außen erscheint und was sie ihren Anhängern aufzwingen. Doch halten sie sich selbst nicht an das, was sie den Menschen auferhängen; so predigen sie „Liebe des Nächsten, und fluchen den achtzigjährigen Blinden von ihren Türen hinweg“ (2. Akt, 3. Szene; S. 77, Z. 32 – 33). Das zeigt sehr gut den Wiederspruch, der in der Kirche herrscht und gegen den sich Schiller auflehnt.

Außerdem ist der Zerfall bürgerlicher Tugenden anzuführen, welcher in diesem Drama stattfindet. Vor allem sticht der Zerfall der bürgerlichen Familie durch, zum Beispiel, das Erstgeborenenrechts heraus, aufgrunddessen Franz erst auf die Idee kommt, seinen Bruder zu verraten. Franz versucht sein Gewissen zu beruhigen, indem er ganz rational an die Sache herangeht und sagt „Er ist aus ebendem Ofen geschossen worden, aus dem du geschossen bist.“ (1. Akt, 1. Szene; S. 20, Z. 20 – 21) und sieht in ihm damit nicht wirklich seinen Bruder, sondern nur einen Menschen, der die gleichen Erzeuger wie er selbst besitzt. Doch er hat trotzdem Zweifel, die ihm am Ende nachdenklich werden lassen und er wird sich klar, dass er falsch gehandelt hat, da ihm der Pastor Moser, die schlimmsten aller Sünden verrät, nämlich „Brudermord“ und „Vatermord“ (5. Akt, 1. Szene; S. 136; Z. 12/13). Dieser Vaterverrat bzw. „Vatermord“, ist der nächste Punkt, der den Zerfall der Tugenden darstellt. Franz sieht in der Vaterliebe nur Heuchelei, die „die Schoßsünde aller Künstler“ sei, „die sich in ihrem Werk kokettieren, wär es auch noch so hässlich“ (1. Akt, 1. Szene; S. 21, Z. 13 – 14). Sein Vater liebt ihn also mehr aus Besitz- bzw. Schaffungsstolz als aus wirklicher Liebe. Außerdem fragt sich Franz, „warum hat er mich gemacht?“ und kommt zu dem Schluss, dass er sich seinem Vater nicht unterwirft, sondern „alles um mich her ausrotte, was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin. Herr muss ich sein, dass ich das mit Gewalt ertrotze, wozu mir die Liebenswürdigkeit gebricht.“ (1. Akt, 1. Szene; S. 21, Z. 21 – 23). Da zeigt sich wieder die Benachteiligung ihm gegenüber, da der Vater Karl viel lieber hatte und das der Grund für den Brüderzwist war.

 

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